Qixingshan, Taipeh
jenseits des Gipfels
nichts als weitere Berge
ad infinitum

Qixingshan, Taipeh
jenseits des Gipfels
nichts als weitere Berge
ad infinitum

Nudern aus China
bisweiren unelwaltet
brond und gekläusert

im Bus kein Sitzplatz
ich hocke wildfremde Knie
an meinen Ohren

Regen von gestern
noch in den Schuhen wandern
wir ins Gewitter
die Beter sind fort
nur noch zwei Weihrauchstäbchen
glimmen und duften

von ganz weit oben
den Regentropfen auf die
Scheitel zu spucken

sie lupft ihr Röckchen
setzt sich und atmet einfach
auf unser Sofa

Essen zu essen
ist out in ist Essen zu
fotografieren
ich will zum Obstkorb
folge ihr aber in Trance
zum Würstchenkessel

die Hallen verwaist
ein altes Radio plärrt
Buddhagesänge

Wo Lotoswurz und Tofu droht,
da sehn ich mich nach Butterbrot.
Portmonee!
Portmodoch!
Portmonee!
Portmodoch!
Portmonee!
Geizhals!
Verschwender!
hypnotisiert von
Bananenaugen trau ich
mich nicht aus dem Bett

kein einziger Künstler
nur noch Installateure
und Weltbeglücker
Peitschenknallen und
rhythmisches Murmeln gegen
quälende Träume
unübersehbar
haarbreit neben der Gattin
ein Prachtdekolleté
Fritzchen ist hochbegabt.
Das kann man nicht bestreiten.
Sein Hirn – ein edles Ross;
doch wohin wird er reiten?
er braust in die Stirn
durchströmt das Gehirn
Synaps für Synaps
als wäre es Schnaps
die Sofadecke
mit Susi drin eine Art
Quarkpalatschinke

er ist entmündigt
für ihn entscheiden Werbung
und Testzeitschriften
statt Kant zu lesen
späht er durch Bücherlücken
nach Abenteuern
im Hochhausschatten
Gassen voll Räucherfisch Qualm
Bier und Gelächter
Koreas Antwort
auf Japans heiligen Berg
der Schinkenfuji

ein eitles Frätzchen
die Fingernägel modisch
mit Ausschlag verziert
Vergnügungsviertel
im Reeperbahnstil aber
stattdessen Essen

unsichtbar sorgen
weltweit Milliarden Höschen
für Zucht und Ordnung

… an den Bürgermeister von Japan
Schulmädchen haben
uns mitten im Bergwald die
Stille zerkichert

ein Mönch eilt zu Tisch
Bodendielen quietschen wie
Vogelgezwitscher

ein großer Fortschritt
die Willendorfvenus jetzt
im Sportpantalon

die Nachtigall singt
im Busch ein geschürzter Rock
und zartes Zischen
ein Berg mit tausend
roten Blüten mir wäre
schon eine genug

statt bunter Bilder
dröge Installationen
und nichts zu lachen
fi!-ga!-ro! pfeift sie
erst schnell dann wird sie langsam
und dann fliegt sie weg

der weiße Fuji
vor dem hellblauen Himmel
kaum auszumachen

der Frühling quält mich
mit Kirschblütenschnupfen und
reizenden Frauen
wir fragen uns durch
kein Mensch kennt den Weg jeder
zeigt irgendwohin

die Büstenhalter
der Mütter als Knebel für
lärmende Kinder

aus ihrem Fenster
kichert sie auf die Straße
als kniffe sie wer

im blühenden Baum
summen zehntausend Bienen
schon fast ein Geheul

darf man dem Herrgott
nach gelungenen Sünden
eigentlich danken?

ein Kinderwagen
zerrt eine müde Mütter
zum Spielplatz im Park

die weite Hose
trägt man jetzt gern zu zweit
als Tandembeinkleid

marschiert gebrüllt und
Fähnchen geschwenkt mal wieder
die Welt gerettet

Gischtwirbelstürmchen
fegen über den Teich die
Blesshühner balzen

der flotte Buggy
eher wohl ein früher Rollstuhl
für träge Kinder

wo Hirn war Wirrwarr
zehntausend Stimmen aber
kein Funken Vernunft

draußen die Gletscher
drinnen der kühle Frosthauch
der keuschen Freundin

Donna Makita
durchbohrt die Bühne bis zum
Orchestergraben

die Stute schien mir
ein schrecklich schnaubendes Buch
mit sieben Siegeln

der arme Schellfisch
ohne Mitleid verteilt auf
dreierlei Mägen

die Zweige schon schwarz
die Äste noch Riesenschlangen
mit weißen Rücken

wenn drunt im Tal
die Bächlein plötschern
im grünen Wald
die Zwiegel vötschern
wenn auch die Dichter
lauthals reimen
weil tief in ihnen
Verse keimen
dann tut die Welt uns
damit kund
nun ist sie da
die Morgenstund
und nur der Maul
mit seinem Wurf
schweigt ewig still
in Mulch und Turf
ein Wattebauschrock
den Partner im Anschluss rasch
trockenzutupfen

kein Klapperstorch mehr
die Kinder kommen heute
per Lastenfahrrad
ihr Kopftuch sitzt stramm
das ist als quölle Rührteig
aus einer Schüssel

ich höre nicht hin
lieber spalte ich Brennholz
unten im Keller
seit Jahren späht er
durch jede Ritze als wäre
etwas dahinter

als wäre der Park
plötzlich gealtert Bäume
mit weißen Haaren

in meiner Phantasie
erblickte ich ein Knie
darunter eine Wade
die fand ich ziemlich fade
darüber einen Schenkel
der ging mir auf den Senkel
drum blieb ich stur beim Knie
in meiner Phantasie

ein neuer Gürtel
wozu? der alte hält die
Hose noch oben
die guten Bücher
sind meistens fad mich trösten
die bitterbösen

wenn der Teich zufriert
predigt der Entenpastor
vom See Genezareth

dichter als draußen
wabert der Nebel drinnen
im Hirn des Menschen
Hefeteigbatzen
wie einst die Puttenpopos
über der Krippe
ein grüner Igel
im Schlaf die roten Beinchen
zum Himmel gestreckt

die Welt ist hässlich
wäre ich Jesus bliebe
ich schön im Himmel
warmes Kamelhaar
gemahnt mich an Bauchtanz und
süße Suleikas
seit vielen Wochen
sämtliche Höhepunkte
im Voraus gebucht
Augen geschlossen
hört er am Reißverschlusston
was dabei rauskommt

hundert Gemälde
gottlob kein einziger Akt
die Welt wird besser

die Tube scheint leer
wenn man dann aber draufdrückt
kommt doch noch was raus

das Beste kam erst
nach der Bescherung endlich
die Eltern im Bett
die Nachbarin? nein!
hinter den Büschen dreht sich
ein buntes Windrad
ein Beitrag zur Bildungsforschung
ein kleines Monster
aber das Kind zählt fließend
bis dreiundzwanzig

bisweilen stellt er
sich insgeheim vor er sei
ihr Fahrradsattel

der Schwan ist kein Strauß
er steckt den Kopf stattdessen
ins trübe Wasser
Amselschnäbel und
goldgelbe Blätter der Herbst
gibt sich Ton in Ton

der Hund schaut sich um
Frauchen trödelt mal wieder
der Hase ist futsch
von fern verlockend
aber dann aus der Nähe
total tätowiert
sie nachts mir erträumt
morgens aber beim Aufbruch
im Bett vergessen

stockblinde Häuser
Japaner bevorzugen
Vorhangscheuklappen

stereo unter
den Armen abwärts aber
leider nur mono

Morgen für Morgen
ein Käsescheibchenviereck
auf einem Cräcker

sie fühlt sich unwohl
im Schminkspiegel rechts und links
fremdes Gelände
ein bergiger Park
in dem Japaner Affen
Ausländer zeigen

brautschleierdünnes
Toilettenpapier Japan
nimmt Umweltschutz ernst

ein fetter Glatzkopf
zwängt sein Gesicht komplett ins
Hamburgerbrötchen
ein einfacher Rock
aber darin ein Zittern
wie Götterspeise
die Tempelmönche
machen den Tag zur Nacht mit
Ahornblattsternen

tausend Balkone
aber auf keinem ein Mensch
nur feuchte Wäsche
sie liest im Gehen
ihr nackter Nabel behält
den Weg im Auge
版画士藏館
hinter dem Vorhang
mischen zwei Frauen kichernd
fischige Süppchen
vier alte Damen
mit Rhabarberblatthüten
besuchen Buddha

mein Schweiß von gestern
wabert heute als Nebel
um seine Hüften

vor meinen Augen
hängen aus lappigen Shorts
schwitzige Schenkel
wie schön wär der Teich
wenn ihn nicht von tief unten
Karpfen verbeulten

zwei alte Wachteln
sie gurren und nicken als
pickten sie Körnchen

wie Wein im Karton
ihr Kopf an meinen Füßen
und vice versa

suchst du den Tempel
frag fromme alte Frauen
die wissen den Weg

China Airlines backt
Blauetraubenbrustwarzen
auf süße Törtchen

in weißen Milchschaum
faucht brauner Kaffee aus gleich
zwei Nasenlöchern

es dauert nicht lang
dann werden hier Kinder auf
Rollern geboren

„Mir kam der Gedanke, dass in nicht allzu ferner Zeit hiesige Gynäkologen und Hebammen der Welt die Geburt, besser: die Ausfahrt des ersten Rollerkindes werden mitteilen können, durch dessen Nabelschnur eitel Benzin rann, das fix und fertig und betankt und fahrbereit ist und nur noch einmal rasch zur nächsten Waschanlage sausen muß.“ (Tagebuch Taibei 1991)
der Slip am Türknauf
sagt mir nach Adam Riese
sie hat ihn nicht an
kaum wälzt sich Zenzi
ins Zelt schon zischt die Luft aus
ihrer Matratze
ein Beitrag zur meteorologischen Forschung
es regnet so sehr
da ist gewiss mehr Wasser
als Luft in der Luft

Gürtel verloren
gleich rutscht der Hosenboden
ins Bodenlose

(Philosophy in the Bedroom)
ein Spannbettlaken
spannt keineswegs es hat noch
nicht einmal Augen

das Hündchen zwar klein
die Ohren aber oho
als könnt es fliegen

Haarlockenschlangen
fliehen vor ihrem Gesicht
in jede Richtung

traf ich sie schlief ich
unweigerlich ein sie war
wie Schäfchenzählen
ein dicker Brummer
Fensterscheiben sind seine
Windmühlenflügel

kein einziges U
die Allesklebereule
nur noch ein Hauch

das H verloren
jetzt bleiben uns allenfalls
Ose und Öschen

knisternde Rinden
im Gras die Parkplatanen
sind in der Mauser
er sei kein Wüstling
bei Frauen gebe er sich
meist völlig harmlos

der Wald ist so still
man hört die welken Blätter
im Fallen knistern

um ihre Knöchel
Teekannentropfenfänger
aus weißer Spitze

schwebende Schirme
und unter jedem baumelt
und strampelt ein Mensch

aus meinem Rucksack
nicht wegzuwaschen der Schweiß
hunderter Wege

Schülerinnen von
Kuscheltierchen befallen
wandelnde Wildparks

ich meditiere
Ameisen nagen derweil
an meinem Sitzfleisch
Schal vor dem Mund
auf altem Fahrrad bergauf
Greisin mit Schlapphut

ein Kicherdrachen
knallbunte Schirme über
Wadengewimmel

der Mönch am Fenster
blickt in den grünen Garten
und denkt sich sein Teil

es tropft in den Teich
die Frösche glauben es klopft
und quaken Herein!
wo früher Weg war
gluckst jetzt ein munterer Bach
fehlen nur Fische

der arme Pilger
hört sich selber nicht beten
der Bach rauscht zu laut
Standbilder lagern
in Kisten Kannon verreist
ins Kunstmuseum

wie aus Versehen
lupft sie ihr Kleid und lauert
ob ich auch gucke

Nicht Fiktion, sondern realistische Reportage: Der Autor wäre niemals in der Lage, sich etwas Derartiges auszudenken!
im steilen Bergwald
nach langer Zeit mal wieder
Dreck am Stecken
in Bashos Weiher
plumpst nicht ein Frosch Lyrik
kommt aus der Mode
Matsuo Basho (1644 – 1694): Frosch
der alte Weiher
ein Frosch springt hinein
der Klang des Wassers
Frau Vollmondgesicht
verlangt vom Fotografen
ihr Bild auf Schmalfilm

der Regen schraffiert
das bunte Ölbild der Stadt
zur Bleistiftzeichnung

ich male mir aus
er turnt als kleiner Vogel
in ihren Ästen

flott übersetzt er
was jeder ohnehin sieht
ins Kauderwelsche
ihr Schädel klemmt fest
im Popkopfhörerschraubstock
wie soll sie denken?

das Telefon reist
im Gesäßtaschennotsitz
dort wird ihm übel
vier Fenster in der
Türe zum Bad erlauben
jetzt endlich Durchblick

grellbunte Bücher
kreischen sie seien ganz neu
ich höre nicht hin
ein Milchglashimmel
verbirgt schon seit Tagen die
Beine der Engel

gnädige Wolken
ersparen uns Blicke auf
Engel von unten
die jungen Meisen
quietschen wirklich entsetzlich
kann man die ölen?
sie sind zerstritten
nur ihre Fürze fahren
einig zum Himmel
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