das Dach ist undicht
Spitzenschuhe patschen durch
Schwanenseepfützen

das Dach ist undicht
Spitzenschuhe patschen durch
Schwanenseepfützen

statt Tänzerinnen
Bäume mit Wespentaillen
Ballett für Biber

ein Kalauer
einst Rauschgoldengel
heute Omas und Opas
berauscht von Enkeln
bevor man losfährt
sollte man auf dem Sattel
sein Sitzfleisch ordnen
adjusting my buttocks
I get on
the bicycle
Natsume Soseki (1867-1916) übs.: William Scott Wilson
das pralle Säckchen
zittert des Nachts durch mein Bett
als wärs lebendig

in meiner Kindheit
gab es bittere Tropfen
mit vielviel Fusel

kein Pferd weit und breit
sie reitet lässig ihre
eigenen Hüften

frei nach William Carlos Williams (1883-1963):
„She rides her hips as it were a horse“
wenn man es könnte
würde man dann im Grabe
noch Zeitung lesen?

der Appenzeller
sei hart cremig dagegen
die Appenzellerin
Zur Überraschung des Autors handelt es sich bei der Appenzellerin nicht etwa um einen vergenderten Appenzeller, sondern um einen neuen zarten, weiblichen Käse. Merke: Appenzeller und Appenzellerin sind ein schönes Paar und eine Zierde für jede Käseplatte!
ein weißer Falter
umsegelt den Blumenkübel
als wär der die Welt

Postkarten zeigen
was du geknipst haben musst
damit du da warst
von fern bewundert
kein Wort gewechselt trotzdem
niemals vergessen

Moos auf den Ästen
giftgrüne Häkeldeckchen
auf Sofalehnen

im alten Schlosshof
keinerlei Fotomotiv
mit ohne Rentner

der Mäusebussard
halb fliegender Räuber halb
fiependes Quietschtier

Säuglinge fordern
Mütter mit Macchiato statt
mit labbriger Milch

die Krähe fläzt sich
faul in den Sturm als wäre
die Luft ihr Sessel

hinter der Bühne
klingen die Stücke seltsam
weil seitenverkehrt

ich kicke den Slip
in die Luft und fange ihn
zwischen den Zähnen

Diese Nummer sollte der Künstler selbstverständlich nur mit seiner eigenen Unterhose vorführen. Zudem sollte er auf ausreichenden Sicherheitsabstand zu Wänden, Möbeln, Fenstern und vor allem zu den hoffentlich zahlreich erschienenen Zuschauern achten.
sie liegt am Boden
und knipst von unten aufwärts
Münster und Männe
aus dünnen Hüllen
steigen wildfremde Dünste
in meine Nüstern

Berge in Wolken
draußen Gewitter drinnen
duftender Tee

Qixingshan, Taipeh
jenseits des Gipfels
nichts als weitere Berge
ad infinitum

Nudern aus China
bisweiren unelwaltet
brond und gekläusert

im Bus kein Sitzplatz
ich hocke wildfremde Knie
an meinen Ohren

Regen von gestern
noch in den Schuhen wandern
wir ins Gewitter
die Beter sind fort
nur noch zwei Weihrauchstäbchen
glimmen und duften

von ganz weit oben
den Regentropfen auf die
Scheitel zu spucken

sie lupft ihr Röckchen
setzt sich und atmet einfach
auf unser Sofa

Essen zu essen
ist out in ist Essen zu
fotografieren
ich will zum Obstkorb
folge ihr aber in Trance
zum Würstchenkessel

die Hallen verwaist
ein altes Radio plärrt
Buddhagesänge

hypnotisiert von
Bananenaugen trau ich
mich nicht aus dem Bett

kein einziger Künstler
nur noch Installateure
und Weltbeglücker
Peitschenknallen und
rhythmisches Murmeln gegen
quälende Träume
unübersehbar
haarbreit neben der Gattin
ein Prachtdekolleté
die Sofadecke
mit Susi drin eine Art
Quarkpalatschinke

er ist entmündigt
für ihn entscheiden Werbung
und Testzeitschriften
statt Kant zu lesen
späht er durch Bücherlücken
nach Abenteuern
im Hochhausschatten
Gassen voll Räucherfisch Qualm
Bier und Gelächter
Vergnügungsviertel
im Reeperbahnstil aber
stattdessen Essen

unsichtbar sorgen
weltweit Milliarden Höschen
für Zucht und Ordnung

… an den Bürgermeister von Japan
Schulmädchen haben
uns mitten im Bergwald die
Stille zerkichert

ein Mönch eilt zu Tisch
Bodendielen quietschen wie
Vogelgezwitscher

ein großer Fortschritt
die Willendorfvenus jetzt
im Sportpantalon

die Nachtigall singt
im Busch ein geschürzter Rock
und zartes Zischen
statt bunter Bilder
dröge Installationen
und nichts zu lachen
der weiße Fuji
vor dem hellblauen Himmel
kaum auszumachen

der Frühling quält mich
mit Kirschblütenschnupfen und
reizenden Frauen
die Büstenhalter
der Mütter als Knebel für
lärmende Kinder

aus ihrem Fenster
kichert sie auf die Straße
als kniffe sie wer

im blühenden Baum
summen zehntausend Bienen
schon fast ein Geheul

darf man dem Herrgott
nach gelungenen Sünden
eigentlich danken?

die weite Hose
trägt man jetzt gern zu zweit
als Tandembeinkleid

marschiert gebrüllt und
Fähnchen geschwenkt mal wieder
die Welt gerettet

Gischtwirbelstürmchen
fegen über den Teich die
Blesshühner balzen

der flotte Buggy
eher wohl ein früher Rollstuhl
für träge Kinder

wo Hirn war Wirrwarr
zehntausend Stimmen aber
kein Funken Vernunft

draußen die Gletscher
drinnen der kühle Frosthauch
der keuschen Freundin

Donna Makita
durchbohrt die Bühne bis zum
Orchestergraben

der arme Schellfisch
ohne Mitleid verteilt auf
dreierlei Mägen

die Zweige schon schwarz
die Äste noch Riesenschlangen
mit weißen Rücken

ein Wattebauschrock
den Partner im Anschluss rasch
trockenzutupfen

kein Klapperstorch mehr
die Kinder kommen heute
per Lastenfahrrad
ihr Kopftuch sitzt stramm
das ist als quölle Rührteig
aus einer Schüssel

ich höre nicht hin
lieber spalte ich Brennholz
unten im Keller
als wäre der Park
plötzlich gealtert Bäume
mit weißen Haaren

ein neuer Gürtel
wozu? der alte hält die
Hose noch oben
die guten Bücher
sind meistens fad mich trösten
die bitterbösen

wenn der Teich zufriert
predigt der Entenpastor
vom See Genezareth

dichter als draußen
wabert der Nebel drinnen
im Hirn des Menschen
Hefeteigbatzen
wie einst die Puttenpopos
über der Krippe
ein grüner Igel
im Schlaf die roten Beinchen
zum Himmel gestreckt

die Welt ist hässlich
wäre ich Jesus bliebe
ich schön im Himmel
warmes Kamelhaar
gemahnt mich an Bauchtanz und
süße Suleikas
seit vielen Wochen
sämtliche Höhepunkte
im Voraus gebucht
Augen geschlossen
hört er am Reißverschlusston
was dabei rauskommt

hundert Gemälde
gottlob kein einziger Akt
die Welt wird besser

die Tube scheint leer
wenn man dann aber draufdrückt
kommt doch noch was raus

das Beste kam erst
nach der Bescherung endlich
die Eltern im Bett
die Nachbarin? nein!
hinter den Büschen dreht sich
ein buntes Windrad
ein Beitrag zur Bildungsforschung
ein kleines Monster
aber das Kind zählt fließend
bis dreiundzwanzig

bisweilen stellt er
sich insgeheim vor er sei
ihr Fahrradsattel

der Schwan ist kein Strauß
er steckt den Kopf stattdessen
ins trübe Wasser
Amselschnäbel und
goldgelbe Blätter der Herbst
gibt sich Ton in Ton

der Hund schaut sich um
Frauchen trödelt mal wieder
der Hase ist futsch
von fern verlockend
aber dann aus der Nähe
total tätowiert
sie nachts mir erträumt
morgens aber beim Aufbruch
im Bett vergessen

stockblinde Häuser
Japaner bevorzugen
Vorhangscheuklappen

stereo unter
den Armen abwärts aber
leider nur mono

Morgen für Morgen
ein Käsescheibchenviereck
auf einem Cräcker

sie fühlt sich unwohl
im Schminkspiegel rechts und links
fremdes Gelände
ein bergiger Park
in dem Japaner Affen
Ausländer zeigen

brautschleierdünnes
Toilettenpapier Japan
nimmt Umweltschutz ernst

ein fetter Glatzkopf
zwängt sein Gesicht komplett ins
Hamburgerbrötchen
ein einfacher Rock
aber darin ein Zittern
wie Götterspeise
die Tempelmönche
machen den Tag zur Nacht mit
Ahornblattsternen

tausend Balkone
aber auf keinem ein Mensch
nur feuchte Wäsche
sie liest im Gehen
ihr nackter Nabel behält
den Weg im Auge
版画士藏館
hinter dem Vorhang
mischen zwei Frauen kichernd
fischige Süppchen
vier alte Damen
mit Rhabarberblatthüten
besuchen Buddha

mein Schweiß von gestern
wabert heute als Nebel
um seine Hüften

vor meinen Augen
hängen aus lappigen Shorts
schwitzige Schenkel
wie schön wär der Teich
wenn ihn nicht von tief unten
Karpfen verbeulten

zwei alte Wachteln
sie gurren und nicken als
pickten sie Körnchen

wie Wein im Karton
ihr Kopf an meinen Füßen
und vice versa

suchst du den Tempel
frag fromme alte Frauen
die wissen den Weg

China Airlines backt
Blauetraubenbrustwarzen
auf süße Törtchen

in weißen Milchschaum
faucht brauner Kaffee aus gleich
zwei Nasenlöchern

es dauert nicht lang
dann werden hier Kinder auf
Rollern geboren

„Mir kam der Gedanke, dass in nicht allzu ferner Zeit hiesige Gynäkologen und Hebammen der Welt die Geburt, besser: die Ausfahrt des ersten Rollerkindes werden mitteilen können, durch dessen Nabelschnur eitel Benzin rann, das fix und fertig und betankt und fahrbereit ist und nur noch einmal rasch zur nächsten Waschanlage sausen muß.“ (Tagebuch Taibei 1991)
der Slip am Türknauf
sagt mir nach Adam Riese
sie hat ihn nicht an
kaum wälzt sich Zenzi
ins Zelt schon zischt die Luft aus
ihrer Matratze
ein Beitrag zur meteorologischen Forschung
es regnet so sehr
da ist gewiss mehr Wasser
als Luft in der Luft

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