Erkältungswetter
der Schornstein legt sich den Rauch
als Schal um den Hals

Erkältungswetter
der Schornstein legt sich den Rauch
als Schal um den Hals

vom Brötchen isst sie
immer nur den Saturnring
aus Provolone

ein stiller Garten
aus einem fernen Fenster
gurrt es wie Täubchen
sie wippt und zittert
als wäre ihr Stuhl ein Napf
und sie ein Pudding
lautes Gegacker
legen die Nachbarn Ostern
die Eier selber?
schuhmodebewusst
tragen die Alstergänse
zartrosa Flossen

Ohrenwindmühlen
liefern den Osterhasen
die Kraft zum Rammeln

mein neues Zöpfchen
kann ich leider im Spiegel
selber nicht sehen

vom Nebentisch nur
Krankheiten Enkel und Klatsch
ich setze mich weg
die Hummel im Gras
erschreckend haarig und dick
schon fast eine Maus
ein Zirkus aus Tüll
daneben im Anzug der
neue Direktor
finstere Wolken
aber die Vögel zwitschern
heiter wie immer
glückliche Gänse
statt welker Wiesen plötzlich
ein silberner See
durch nasse Scheiben
zwinkert freundlich die Sonne
für fünf Minuten
stürmische Winde
zausen den Park der Teich kriegt
Gänsehautflecken
der Sturm war stürmisch
die Linde ordnet ihr Kleid
und tropft ein bisschen
in meiner Tasse
baut eine Spinne ihr Netz
kein Tee zum Frühstück
ihr Schirm weht nach links
ihr Hündchen schnüffelt nach rechts
sie hängt dazwischen

die Linden frösteln
Regen rinnt ihnen über
die nackten Beine
in einer Birke
dort wo der Stamm sich gabelt
ein Eichhörnchenschweif
in Farbe ging sie
ins Bett nun wacht die Welt in
Schwarzweiß wieder auf
zwei Hyazinthen
älteren Datums neigen
die welken Häupter

mein Fenster langweilt
Tag für Tag schwarze Äste
vor grauem Himmel
die Welt verschwommen
aber die süßen Träume
gestochen haarscharf
seit mein Haar lang ist
sehe ich manche Frauen
mit neuen Augen

mein Bett ist ein Sieb
unten rieseln die Träume
als Staub zu Boden

Schneeflocken springen
über den See es graust sie
vor nassen Füßen
im Flur fällt ein Schuss
im Badezimmer trocknen
duftige Nylons

nun schon seit Tagen
aschgrauer Himmel macht nichts
für mich ist er bunt

sie kommt nicht vom Fleck
trotz ihrer tausend Beine
mir selbst reichen zwei

die Seitenhaare
reichen noch nicht bis zum Zopf
ein Widderkaninchen

zehn leere Tutus
ohne Arme und Beine
trudelnde Ufos
drei alte Schachteln
gestern geschenkeschwanger
jetzt Wöchnerinnen

Illustration Ulrike Stoermer-Bayer
staubgrau und haarig
huscht sie über die Dielen
die wilde Wollmaus

das dicke Christkind
gefällt mir gar nicht ich mag
den stillen Ochsen

japanisch, Kamakura-Periode, 13. Jahrhundert
der Schwanz hinter mir
nichts als der lose Gürtel
des Bademantels

von wegen Rauhreif
tatsächlich ist der Stadtpark
völlig verschimmelt

zu früh am Bahnsteig
am Horizont funkelt ein
Glühwürmchenpünktchen

Verreisen geht nicht
immerhin kaufe ich Obst
bei einem Türken
statt fetter Engel
füttre ich den Flamingo
vor meinem Fenster

bin kein Trompeter
wäre ich aber einer
ich bliese wie er
vor meiner Brille
schaukelt tollkühn kopfüber
ein Lockenlorgnon

kaum dreh ich mich um
scheibenwischert mein Haar
mir übers Gesicht

an dlittel Advent
viere Reute velblennen
dlei Läuchelkelzen

in allen Gärten
Lichterkettenarmeen
zum Angriff bereit
bloß nichts was aufträgt
auf ihren Hüften duldet
sie nichts als sich selbst
das Weihnachtswetter
voraussichtlich schlecht macht nichts
wir wettern selber
kaum guck ich nach rechts
schon guckt er nach links mein Zopf
guckt hin wo er will
(Was jede Grundschülerin längst weiß, muss sich ein
spätberufener Zopfträger erst mühsam klarmachen.)
die roten Kerzen
langweilen mich ich träume
von roten Hosen

sie sei tätowiert
zwar weiß kein Mensch wo aber
ich kann’s mir denken
draußen Dezember
drinnen Lametta eins so
schlimm wie das andre
ein Strickmützenpaar
sie ist San Pietro und er
St Paul’s Cathedral

mein wirres Grauhaar
erspart mir barmherzig den
Blick in den Nebel

vergilbte Bilder
mir hinter die Stirn in den
Schädel genagelt
über der Wiese
bläht noch ein letzter Herbstbaum
sein gelbes Segel
muss er denn rund sein?
ich mag den Mond durchaus auch
als schiefe Kartoffel
zwei helle Nylons
zwischen zwölf dunklen Hosen
Laternen im Wald

bevor er einschläft
schwelgt er ein Viertelstündchen
in wilden Bildern
dreimal hellwach und
dreimal genüsslich wieder
in Morpheus‘ Armen
zu Hause bleiben
die Mittagsschlafdecke als
fliegender Teppich
der Frosch im Kompost
darf friedlich von Frühling und
Froschschenkeln träumen
ich zupfe täglich
an meinem Zopf doch wird und
wird er nicht länger

kein Blatt mehr am Baum
Astgabeln grätschen verzückt
dem Sturm entgegen
vor Suses Fenster
errötet ein Baum was nur
hat der gesehen?
gegen den Herbstschmerz
hilft mir ein Mittagsschläfchen
voll süßer Träume
kein Amtsgeschäft mehr
sieh! da flattert ein Falter
vor meinem Fenster
(nach dem anonymen Text auf einem chinesischen Stempel: „官閒無一事 蝴蝶飛上階. Im Büro gibt es nichts zu tun. Welche Freude: Ein Schmetterling landet auf meiner Treppe!“)
Herbstregenfluten
die Blätter verlassen
den sinkenden Park
fliegen die Blätter
jetzt etwa weit weg in den
sonnigen Süden?
beim Hemdausziehen
sehe ich nichts nun hat die
Frau eine Beule
Hamburger geht nicht
Hamburgerin dagegen
passt ausgezeichnet
kein Weltgetümmel
nur noch der stille gelbe
Lichtkreis der Lampe
„Zusammen oder getrennt?“
zahlt einer alles
teilt sie die Rechnung durch zwei
und nimmt mit zwei mal
flatternde Röckchen
jagen mit Handstaubsaugern
nach einer Wollmaus
I
sie hatte Heimweh
quietschte aber entzückend
bei Start und Landung
II
Wüstenbusse mit
schwitzigen Kissen seither
Pickel im Sitzfleisch
Herbstblätter treiben
unter der Brücke eine
langsame Flotte
nachdenklich waten
Krähen in schwarzen Trikots
durch blanke Pfützen
beinah von selber
grätscht meine Brille morgens
um meine Schläfen
sie lächelt mich an
mein Kuchen versinkt unter
Bergen von Sahne
der Schriftzug JUICY
in Strass hinten auf einer
riesigen Hose
sie merkt sich eifrig
was andere Menschen
getrost vergessen
ein moosgrüner Rock
als eiserner Vorhang
vor ihrem Gelende
Wegweiser reichlich
aber es stellt sich heraus
die sind hier auch fremd
die Röcke gerafft
zu einer Kugel aus Tüll
die Braut als Emu
über den Gräbern
schwingen silberne Kiefern
lässig die Hüften
die blaue Bluse
über dem grünen Salat
Himmel und Erde
kein Ausflugswetter
ein nasser Hahn pickt Krumen
von leeren Tischen
die Waden fast kahl
am Scheitel kaum mehr ein Haar
Wollmäuse reichlich
Luise mag es
wenn unter ihren Stiefeln
die Eicheln knacken
eine Libelle
auf meinem Hemd als Orden
und Ehrenzeichen

die Linden zittern
grobe Gärtner rasieren
ihnen die Beine
sie sprechen nicht ein
verbotenes Wort sondern
einander heilig
wie ist das möglich?
plötzlich ein Finger zu viel
in meinem Handschuh?
ein Sonnenaufgang
mit Wasserläufern hundert
zuckende Fünkchen
zwar nur ein Halbmond
aber er füllt mein Zimmer
freundlich mit Vollmilch
sogar bei Pornos
rätselt er jedesmal neu
wie es wohl ausgeht
die große weiße
verdeckt die kleine rote
doch die schimmert durch
ein enger Tunnel
aus dem zwei weiße Knie ins
Sonnenlicht blinzeln
wir zupfen Blüten
es regnet es regnet nicht
dann brechen wir auf
sie schickt drei Smileys
schickte sie mir doch einen
eignen Gedanken!
Lavendelblaulicht
und eine schrille Biene
als Martinshörnchen
sie liebte Rauchtee
ich Narr war deshalb sicher
sie sei auch feurig

einfache Rechnung
zwanzig Ohren im Gras
macht zehn Karnickel

so gern fährt sie Rad
dass sie selbst nachts im Bett noch
die Luft zerstrampelt
der Frühlingswind lupft
die Seerosenblätter und
findet nur Wasser
ihr Röckchen zaubert
aus einem einzigen Rumpf
macht es zwei Beine
zehn quaken auf Deutsch
einer klappert auf Spanisch
mit Kastagnetten
vor meinem Fenster
tänzelt ein Königspudel
aus Weißdornblüten
Pfötchen nach Osten
beten die Hasen im Park
zum großen Rammler
Schäfchen zum Zählen
hat sie genug ihr fehlen
die Schläferstündchen
die Blüten verweht
die Kirsche trägt jetzt grüne
Alltagsklamotten
unter dem Mantel
statt Gänsehaut Tarnzeug mit
Strass und Pailletten
mir stockt der Atem
jetzt knöpft sie sich auf zum Glück
hat sie was drunter

eins nach dem andern
erst wenn die Frösche schweigen
hör ich den Kuckuck
Eichhörnchen plündern
kopfüber hängend gierig
das Vogelhäuschen
die Kirschbaumblüte
im Großstadtgrau schreibt Nami
heilt die Passanten
Der Text bezieht sich auf den YouTube-Vlog „Namis Leben“
mit sparsam untertitelten Videos über den Alltag
einer Tokioter Büroangestellten.
Pappbecher werden
während wir plaudern plötzlich
zu Meißner Tässchen
wer hat es besser?
die unter Wasser oder
die oben im Licht?
die Erlen am Fluss
nachts die emsigen Biber
ein Schlag ins Wasser
die Hummel taumelt
lange zwischen den Blüten
das gibt ein Freispiel
drei nackte Männer
wärmen sich an der Hoffnung
auf dito Frauen
Wollmausarmeen
marschieren durch meinen Flur
beherzt in die Schlacht
am Ende des Parks
zerbissene Stöckchen und
traurige Hunde
weiße Gesichter
mit schwarzer Gangstermaske
wie Schlittenhunde
Schnee auf den Schultern
rafft sie auch noch die Röcke
um nicht zu stolpern
hastige Striche
auf einer gelben Mauer
ein Bodhisattva

am Weg zum Bäcker
Amseln und Meisen sämtlich
schon auf den Beinen
die Blüten verschneit
der warme Mantel verflixt
schon auf dem Speicher
I
wie angestochen
fegt er über den Weiher
und scheucht die Enten
II
Jesus schwob würdig
er aber stürmt durch den See
und jagt ein Blesshuhn
die Frühlingsbrise
pfeift auf dem leeren Flachmann
fröhliche Weisen
am Kiesteich
alle Nudisten
wegen des kalten Windes
in warmen Kleidern
dort wo er abtaucht
taucht er gewöhnlich nicht auf
sondern woanders
erst kommt er in Grau
dann sie in Hellrot ein Paar
wie Flamme und Rauch
aus meinem Staubtuch
steigt weißes Gewölk heiter
zum Frühlingshimmel
selbst auf den Büchern
wachsen inzwischen blonde
flaumige Fellchen
eine Idylle
sie selbst kaut Kuchen
das Kind saugt sich die Krümel
aus ihren Brüsten
kein Blesshuhn mehr da
nur ein paar Wellenringe
und Wasserspritzer
die Welt im Nachthemd
ein Traum aber ich fürchte
bald zieht sie es aus
Sichlustigmachen
ist jetzt verpönt kein Wunder
dass niemand mehr lacht
die welken Hecken
Wäscheständer voll dünner
hellbrauner Nylons
es ist wie immer
nach dem Vergnügen beginnt
das große Tropfen
ein Hochgebirge
aus Kissenzipfelgipfeln
und Federbettfirn
wär nicht die Amsel
könnte man all den Neuschnee
glatt übersehen

bliesen sie wirklich
wo entwiche am Ende
die unnütze Luft?
Herrenhäuser Graft, Hannover
ob sie ein Buch liest?
ach was! sie pickt in einer
offenen Muschel
ein stilles Blesshuhn
schreibt in die Entengrütze
magische Zeichen
buntgekleidete
Zwergsisyphosse wälzen
eisige Klötze
Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.