bald wird es kalt
einstweilen tröstet uns noch
die Apfelernte

bald wird es kalt
einstweilen tröstet uns noch
die Apfelernte

Marie war so brav
denke ich heute an sie
dann schlafe ich ein

unter den Hosen
nichts als weitere Hosen
wo bleibt da der Mensch?

die Couch aus Sandstein
hier leidet die Prinzessin
ganz ohne Erbse

ihr Taftkleid raschelt
als hausten unter dem Rock
zehntausend Mäuse

hastig gegessen
mein Zöpfchen verschluckt und mich
auf links gekrempelt
nichts kann sie trennen
zwischen sich dulden sie nur
die Fernbedienung
zwei kleine Gören
zweimal schüchternes Lächeln
aus Milchzahnlücken
Stacheldraht rund um
Hüften und Schenkel die Frau
ist ausbruchssicher
Schmetterlingsbrille
Zitronensaftlächeln ich
suche das Weite

Ventilator dann
weht über meinen Schreibtisch
ein kühles Lüftchen
die alte Frage
Brötchen mit Sesam? mit Mohn?
oder mit gar nichts?
Brötchen verkauft sie
aber das Lächeln dazu
gibt sie mir gratis
acht alte Tanten
schwenken die Arme aber
das Meer sieht nicht hin
sie äße gern was
wenn sie nur wüsste was ihr
gut zu Gesicht steht
während wir plaudern
sitzt sie nur da und schweigt und
schnorrt gute Laune
Krähen am Mittag
die Schnäbel weit offen als
wollten sie singen
die Dillblüte träumt
von einem eiskalten Bad
in Gurkenessig

fast jede Wollmaus
wird binnen zwei drei Wochen
zu deiner Freundin
Jana erklärt mir
mit Trauerrand und in Moll
dass es ihr gut geht
Familienfotos?
dann lieber im Großmarkt die
Kohlköpfe zählen

ein harmloser Rock
aber pechschwarze Nylons
und weiße Schenkel

binnen Sekunden
tippt er auf der TORPEDO
Gedichte nach Maß

TORPEDO: eine alte Schreibmaschinenmarke
Lippenstiftkussmund
auf meinem Fenster ob die
nochmal zurückkommt?

draußen Sirenen
die Zimmerdecke plötzlich
ein Blaulichthimmel
künstliche Lippen
so riesig du meinst du wirst
komplett verschlungen
Saxophonohrwurm
der treue Hund singt tapfer
die zweite Stimme
luftige Kleidchen
ich studiere am Beispiel
die Form der Kugel
verdammte Maske
statt des kompletten Gesichts
nur blue spanish eyes
Steinplattenweg
Ameisen fördern Flugsand
aus allen Fugen
Raketendonner
erspart uns gnädig den Lärm
der Sängerinnen
ausgerechnet im
sonnigen Sommer setzt sich
ihr Kurschatten ab
Erkältungswetter
der Schornstein legt sich den Rauch
als Schal um den Hals

vom Brötchen isst sie
immer nur den Saturnring
aus Provolone

ein stiller Garten
aus einem fernen Fenster
gurrt es wie Täubchen
sie wippt und zittert
als wäre ihr Stuhl ein Napf
und sie ein Pudding
lautes Gegacker
legen die Nachbarn Ostern
die Eier selber?
schuhmodebewusst
tragen die Alstergänse
zartrosa Flossen

Ohrenwindmühlen
liefern den Osterhasen
die Kraft zum Rammeln

mein neues Zöpfchen
kann ich leider im Spiegel
selber nicht sehen

vom Nebentisch nur
Krankheiten Enkel und Klatsch
ich setze mich weg
die Hummel im Gras
erschreckend haarig und dick
schon fast eine Maus
Zwerghähne krähen
hinter dem Strauch.
Lacht mir die Wirtin
krähe ich auch.

ein Zirkus aus Tüll
daneben im Anzug der
neue Direktor
finstere Wolken
aber die Vögel zwitschern
heiter wie immer
glückliche Gänse
statt welker Wiesen plötzlich
ein silberner See
durch nasse Scheiben
zwinkert freundlich die Sonne
für fünf Minuten
stürmische Winde
zausen den Park der Teich kriegt
Gänsehautflecken
der Sturm war stürmisch
die Linde ordnet ihr Kleid
und tropft ein bisschen
in meiner Tasse
baut eine Spinne ihr Netz
kein Tee zum Frühstück
ihr Schirm weht nach links
ihr Hündchen schnüffelt nach rechts
sie hängt dazwischen

die Linden frösteln
Regen rinnt ihnen über
die nackten Beine
in einer Birke
dort wo der Stamm sich gabelt
ein Eichhörnchenschweif
in Farbe ging sie
ins Bett nun wacht die Welt in
Schwarzweiß wieder auf
zwei Hyazinthen
älteren Datums neigen
die welken Häupter

mein Fenster langweilt
Tag für Tag schwarze Äste
vor grauem Himmel
die Welt verschwommen
aber die süßen Träume
gestochen haarscharf
seit mein Haar lang ist
sehe ich manche Frauen
mit neuen Augen

mein Bett ist ein Sieb
unten rieseln die Träume
als Staub zu Boden

Schneeflocken springen
über den See es graust sie
vor nassen Füßen
im Flur fällt ein Schuss
im Badezimmer trocknen
duftige Nylons

nun schon seit Tagen
aschgrauer Himmel macht nichts
für mich ist er bunt

sie kommt nicht vom Fleck
trotz ihrer tausend Beine
mir selbst reichen zwei

die Seitenhaare
reichen noch nicht bis zum Zopf
ein Widderkaninchen

zehn leere Tutus
ohne Arme und Beine
trudelnde Ufos
drei alte Schachteln
gestern geschenkeschwanger
jetzt Wöchnerinnen

Illustration Ulrike Stoermer-Bayer
staubgrau und haarig
huscht sie über die Dielen
die wilde Wollmaus

das dicke Christkind
gefällt mir gar nicht ich mag
den stillen Ochsen

japanisch, Kamakura-Periode, 13. Jahrhundert
der Schwanz hinter mir
nichts als der lose Gürtel
des Bademantels

von wegen Rauhreif
tatsächlich ist der Stadtpark
völlig verschimmelt

zu früh am Bahnsteig
am Horizont funkelt ein
Glühwürmchenpünktchen

Verreisen geht nicht
immerhin kaufe ich Obst
bei einem Türken
statt fetter Engel
füttre ich den Flamingo
vor meinem Fenster

bin kein Trompeter
wäre ich aber einer
ich bliese wie er
vor meiner Brille
schaukelt tollkühn kopfüber
ein Lockenlorgnon

kaum dreh ich mich um
scheibenwischert mein Haar
mir übers Gesicht

an dlittel Advent
viere Reute velblennen
dlei Läuchelkelzen

in allen Gärten
Lichterkettenarmeen
zum Angriff bereit
bloß nichts was aufträgt
auf ihren Hüften duldet
sie nichts als sich selbst
das Weihnachtswetter
voraussichtlich schlecht macht nichts
wir wettern selber
kaum guck ich nach rechts
schon guckt er nach links mein Zopf
guckt hin wo er will
(Was jede Grundschülerin längst weiß, muss sich ein
spätberufener Zopfträger erst mühsam klarmachen.)
die roten Kerzen
langweilen mich ich träume
von roten Hosen

sie sei tätowiert
zwar weiß kein Mensch wo aber
ich kann’s mir denken
draußen Dezember
drinnen Lametta eins so
schlimm wie das andre
ein Strickmützenpaar
sie ist San Pietro und er
St Paul’s Cathedral

mein wirres Grauhaar
erspart mir barmherzig den
Blick in den Nebel

vergilbte Bilder
mir hinter die Stirn in den
Schädel genagelt
über der Wiese
bläht noch ein letzter Herbstbaum
sein gelbes Segel
muss er denn rund sein?
ich mag den Mond durchaus auch
als schiefe Kartoffel
zwei helle Nylons
zwischen zwölf dunklen Hosen
Laternen im Wald

bevor er einschläft
schwelgt er ein Viertelstündchen
in wilden Bildern
dreimal hellwach und
dreimal genüsslich wieder
in Morpheus‘ Armen
zu Hause bleiben
die Mittagsschlafdecke als
fliegender Teppich
der Frosch im Kompost
darf friedlich von Frühling und
Froschschenkeln träumen
ich zupfe täglich
an meinem Zopf doch wird und
wird er nicht länger

kein Blatt mehr am Baum
Astgabeln grätschen verzückt
dem Sturm entgegen
vor Suses Fenster
errötet ein Baum was nur
hat der gesehen?
gegen den Herbstschmerz
hilft mir ein Mittagsschläfchen
voll süßer Träume
kein Amtsgeschäft mehr
sieh! da flattert ein Falter
vor meinem Fenster
(nach dem anonymen Text auf einem chinesischen Stempel: „官閒無一事 蝴蝶飛上階. Im Büro gibt es nichts zu tun. Welche Freude: Ein Schmetterling landet auf meiner Treppe!“)
Herbstregenfluten
die Blätter verlassen
den sinkenden Park
fliegen die Blätter
jetzt etwa weit weg in den
sonnigen Süden?
beim Hemdausziehen
sehe ich nichts nun hat die
Frau eine Beule
Hamburger geht nicht
Hamburgerin dagegen
passt ausgezeichnet
kein Weltgetümmel
nur noch der stille gelbe
Lichtkreis der Lampe
„Zusammen oder getrennt?“
zahlt einer alles
teilt sie die Rechnung durch zwei
und nimmt mit zwei mal
flatternde Röckchen
jagen mit Handstaubsaugern
nach einer Wollmaus
I
sie hatte Heimweh
quietschte aber entzückend
bei Start und Landung
II
Wüstenbusse mit
schwitzigen Kissen seither
Pickel im Sitzfleisch
Herbstblätter treiben
unter der Brücke eine
langsame Flotte
nachdenklich waten
Krähen in schwarzen Trikots
durch blanke Pfützen
beinah von selber
grätscht meine Brille morgens
um meine Schläfen
sie lächelt mich an
mein Kuchen versinkt unter
Bergen von Sahne
der Schriftzug JUICY
in Strass hinten auf einer
riesigen Hose
sie merkt sich eifrig
was andere Menschen
getrost vergessen
ein moosgrüner Rock
als eiserner Vorhang
vor ihrem Gelende
Wegweiser reichlich
aber es stellt sich heraus
die sind hier auch fremd
die Röcke gerafft
zu einer Kugel aus Tüll
die Braut als Emu
über den Gräbern
schwingen silberne Kiefern
lässig die Hüften
ein trüber Himmel
lauter vergraute Wäsche
auf Gottes Leine
die blaue Bluse
über dem grünen Salat
Himmel und Erde
kein Ausflugswetter
ein nasser Hahn pickt Krumen
von leeren Tischen
die Waden fast kahl
am Scheitel kaum mehr ein Haar
Wollmäuse reichlich
Luise mag es
wenn unter ihren Stiefeln
die Eicheln knacken
eine Libelle
auf meinem Hemd als Orden
und Ehrenzeichen

die Linden zittern
grobe Gärtner rasieren
ihnen die Beine
sie sprechen nicht ein
verbotenes Wort sondern
einander heilig
wie ist das möglich?
plötzlich ein Finger zu viel
in meinem Handschuh?
ein Sonnenaufgang
mit Wasserläufern hundert
zuckende Fünkchen
zwar nur ein Halbmond
aber er füllt mein Zimmer
freundlich mit Vollmilch
sogar bei Pornos
rätselt er jedesmal neu
wie es wohl ausgeht
die große weiße
verdeckt die kleine rote
doch die schimmert durch
ein enger Tunnel
aus dem zwei weiße Knie ins
Sonnenlicht blinzeln
wir zupfen Blüten
es regnet es regnet nicht
dann brechen wir auf
sie schickt drei Smileys
schickte sie mir doch einen
eignen Gedanken!
Lavendelblaulicht
und eine schrille Biene
als Martinshörnchen
sie liebte Rauchtee
ich Narr war deshalb sicher
sie sei auch feurig

einfache Rechnung
zwanzig Ohren im Gras
macht zehn Karnickel

so gern fährt sie Rad
dass sie selbst nachts im Bett noch
die Luft zerstrampelt
der Frühlingswind lupft
die Seerosenblätter und
findet nur Wasser
ihr Röckchen zaubert
aus einem einzigen Rumpf
macht es zwei Beine
zehn quaken auf Deutsch
einer klappert auf Spanisch
mit Kastagnetten
vor meinem Fenster
tänzelt ein Königspudel
aus Weißdornblüten
Pfötchen nach Osten
beten die Hasen im Park
zum großen Rammler
kaum bleibst du stehen
schon wächst dir das Gras in
die Hosenbeine
Schäfchen zum Zählen
hat sie genug ihr fehlen
die Schläferstündchen
die Blüten verweht
die Kirsche trägt jetzt grüne
Alltagsklamotten
unter dem Mantel
statt Gänsehaut Tarnzeug mit
Strass und Pailletten
mir stockt der Atem
jetzt knöpft sie sich auf zum Glück
hat sie was drunter

eins nach dem andern
erst wenn die Frösche schweigen
hör ich den Kuckuck
Eichhörnchen plündern
kopfüber hängend gierig
das Vogelhäuschen
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