das hatte gefehlt
in Japan gibt es den String
jetzt auch fürs Gesicht
aufgeregt wirft sie
Krücke und Schlapphut ins Gras
sie will aufs Foto
eine Erklärung für Jäger
ein Rock ist ein Rohr
Hosenröcke dagegen
sind doppelläufig
sie so scharf schildern
dass sie aus meinen Versen
mir auf den Schoß springt
er rotzt erbärmlich
ich mag meinem Joghurt schon
gar nicht mehr trauen
das weiße Fellchen
rund um den Krater züchtig
mit Wolken verhüllt
sie hat keine Wahl
stundenlang sitzt sie und lernt
per multiple choice
I
rauschender Regen
da! auf den nassen Stufen
ein Sonnenschirmchen
II
ein Seidenschirmchen
mit schwarzer Spitze just für
Wolken und Regen
nichts schwerer als das
dazusitzen und einfach
Kaffee zu trinken
ganz wie zu Hause
kämmt sie ihr Haar und pinselt
Mündchen und Wimpern
will sie uns zeigen
dass sie auch sonst noch artig
zu lärmen versteht?
Röckchen und Strümpfe
zwar schwarz die Knie dazwischen
aber in Farbe
eine Art Geistererscheinung
barfuß im Nachthemd
kichern sie höchst geschäftig
vom Lift zum Tresen
Schirmrädertierchen
wimmeln und züngeln eilig
auf nassem Asphalt
mit hundert Beinen
rennt sie dem Bus nach selber
ein rollendes Rad
vor meinem Fenster
tanzt Schnee ich rede mir ein
es seien Blüten
in manchen Wagen
weht außer Knoblauch zaghaft
auch etwas Frischluft
gegen den Nordwind
Lippen und Nase vermummt
heute ist Halbmond
Frauengesichter
schwarze und rote Tupfer
auf weißem Papier
winkt mir nach Stunden
endlich die Traumfee weckt mich
trommelnder Regen
kein Durchkommen mehr
die Gassen vermauert mit
Bratfischrauchwolken
die Flüsse zwinkern
mir zu als nähme die Welt
die Welt mit Humor
der Mund vermundschutzt
die Augen vergittert mit
künstlichen Wimpern
ein kleines Wunder
dies hübsche Lächeln wächst aus
zwei Ofenrohren
sie ist sein Magnet
und er ihre tanzenden
Eisenfeilspäne
kärglicher Imbiss
ohne Schnörkel serviert von
blauen Walküren
unversehrt rollt er
durch spitzes Geäst morgen
wieder kein Rührei
seh ich sie saugen
alte Magnete machtvoll
an meiner Seele
tausend Tabellen
Eitelkeit Zahlen alles
nur kein Gedanke
Nacht für Nacht späht er
durchs Dachfensterfernrohr nach
seiner Kometin
unter der Holzbank
sehnen sich meine Schenkel
seufzend nach ihren
ich schliefe ja gern
schwöbe nicht diese Elfe
um meine Kissen
zwei alte Tanten
jammern bei Wein und Schnitzeln
über die Rente
er guckt gar nicht hin
er möchte nur später die
Schnappschüsse zeigen
die hübsche Dame
kostet und runzelt die Stirn
noch grün die Pflaume
Yosa Buson (1716-1783)
a beautiful woman
puckers her forehead
tasting a green plum
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W.S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 90.
lockige Nudeln
im Wok doch ach kein Löckchen
auf seinem Schädel
sie sündigt nicht mehr
statt Cappuccino gibt es
jetzt kalten Kaffee
Rauhreif und Nebel
heute sind selbst die Meisen
bleiche Gespenster
über dem Waldstück
nur noch das Silberhütchen
der Abendsonne
samtschwarze Pisten
queren die weißen Wüsten
über den Strümpfen
ich sehe lieber
den gelben Mond im Birnbaum
vor meinem Fenster
Dummheit und Morde
täglich scharf und in Farbe
mir wird das zu bunt
auf Kopfsteinpflaster
rührt sie die Werbetrommel
für ihre Waden
eisiger Regen
selbst auf dem Holzweg laufen
sie heute Schlittschuh
Pesto mit Sahne
über grünen Spaghetti
ergrünt ihr Gesicht
weg mit dem Mantel
endlich mal wieder spüren
dass Regen nass macht
Türke und Döner
zwei Rundbäuche wölben sich
sanft ineinander
zu Hause tragen
sie Schwarz hierorts tragen sie
graue Boleros
Nikolausschlitten
bei Nacht Hasendrahtkäfig
bei Sonnenaufgang
im Luv die Hose
hauteng leewärts dagegen
flatternde Falten
sie forschen eifrig
aber sie kommen sich selbst
nicht auf die Schliche
Teichaugen blinzeln
weißes Make-up im blassen
Gesicht der Heide
aufwachen blinzeln
und dann die Augen besser
rasch wieder schließen
hinter der glatten
Fassade ein Haus oder
doch nur ein Schuppen?
Narzissenblüte
die Schöne scheint heute ihr
Kopfweh zu haben
Yosa Buson (1716-1783):
suisenya bijin koubewo itamurashi (1769)
A narcissus flowers
the beauty appears to have
a headache
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W. S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 213.
Narcissus!
and a lovely woman
with a headache
Yuki Sawa & Shiffert, Edith Marcombe (Translators): Haiku Master Buson . Buffalo, N.Y.: White Pine Press 2007. 177.
A daffodil
Like a woman beautiful
With a headache.
Nelson, William R. & Takafumi Saito (Translators): 1020 Haiku in Translation: The Heart of Basho, Buson and Issa, 2006. 231.
In der Literatur finden sich zwei Deutungen: Zum einen die Busons Humor durchaus angemessene, bei der die Narzisse selbst – mit hängendem oder zerzaustem Kopf – als kopfschmerzgeplagte Schöne auftritt; zum anderen die nüchternere, bei der neben der Narzisse eine schöne Frau auftritt – mit Kopfschmerzen, die unter anderem auf übermäßiges Schnuppern an der starkduftenden Blüte zurückzuführen sein könnten. Denkbar, dass Buson beide Deutungen zulassen wollte.
Froschkonzert über
kreisrunden schwarzen Teichen
in weißen Tassen
sie liebt er nicht mehr
aber er träumt bei Mondschein
von ihren Hemdchen
schon acht die Sonne
fläzt sich noch in den Wolken
hinter den Bäumen
er stapft durch seine
eigene Nacht den Herbstmond
kann er nicht sehen
Yosa Buson (1716-1783)
Someone goes by wearing a hood
in his own darkness
not seeing the harvest moon
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W.S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 142.
ein Auge schäkert
mit mir das andere ach
mit ihrem Gatten
bemooste Bäume
der Nieselregen macht sie
schwärzer und grüner
Wasser im Reisfeld
ich höre den Vollmond und
sehe die Frösche
Yosa Buson (1716-1783)
Looking across the flooded rice paddies
I listen to the moon
as I gaze at the frogs
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W.S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 39.
lass sie in Ruhe
scheuch sie nicht auf zugeklappt
sind sie oft schöner
wozu der Aufwand
kein Bauer beobachtet
Mist mit der Lupe
der Krippenesel
stand still diese hier traben
und schleppen Päckchen
die kurze Decke
fühlt mit dem großen Mann der
unter ihr schlummert
Yosa Buson (1716-1783)
the futon feels sorry
for the tall man
taking a nap
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W.S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 185.
alle zehn Schäfchen
springt eine alte Flamme
über die Hürde
das alte Deckbett
zu kurz was decke ich zu
Kopf oder Füße
Yosa Buson (1716-1783)
old quilt
which shall I cover
my head or my feet
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W.S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 185.
nun ist er siebzig
und nimmt die Welt noch immer
für bare Münze
unbewusst greift sie
beim Abzweig zum Kammweg nach
Bürste und Spiegel
Rauhreif der Feldweg
neblig mittags der Bergkamm
über den Wolken
Zum Wort „Rauhreif“ beachte man bitte meine Anmerkung zur neuen Rechtschreibung.
er sündigt nicht mehr
inzwischen frönt er weitaus
frommeren Lastern
sie lupft ihren Rock
und wedelt kühlenden Wind
auf warme Schenkel
Shanghaier Tagebuch 1987: „Die Kleidung der hiesigen Frauen und Mädchen war in den ersten heißen Wochen ganz anders, als ich sie im kommunistischen China erwartet hatte: Die kurzen Höschen und vor allem die oberschenkellangen Nylonstrümpfe haben mich überrascht. Noch überraschender ist, dass Frauen völlig ungeniert und unbeachtet ihren Rock heben, um sich Kühlung zuzufächeln, oder umständlich ihre langen Strümpfe hochziehen und fröhlich mit dem gummierten Oberrand der Strümpfe knallen. Freie Schultern, ausgeschnittene Kleider und Blusen sind dagegen verpönt.“
ohne die Sonne
säß auch der schönste Vollmond
ganz schön im Dunkeln
der Mond ist verblasst
aber ich weiß noch alle
Meere und Krater
der Mond in Wolken
heute will er die Menschen
lieber nicht sehen
sie hält das Glas für
den Himmel selig prallt sie
gegen mein Fenster
karierte Blumen
der bunte Park durchs Gitter
ihrer Termine
von all der Liebe
bleibt ihm nur noch die Delle
in seinem Sofa
hinter dem schlichten
Wandschirm aus Wörtern alles
züchtig verborgen
vermisst du Blumen
sieh dich nur um überall
blühender Unsinn
perfekte Tarnung
die Welt in weißer Wäsche
auf weißen Laken
spätabends zaubert
der Sternekoch Currywurst
frisch aus der Dose
ich öffne den Mund
sinnlos da baumeln Kabel
aus ihren Ohren
die Bäume zwar kahl
die nassen Wege aber
nur um so bunter
weich wie ein Windhauch
fast als wäre es Wolle
von ihrem Fellchen
was man so Mond nennt
ist nur ein runder Kürbis
in weißen Höschen
die bleiche Flunder
kugelfischartig und blond
wär er mir lieber
warum nur folge
ich Narr so beflissen dem
Ruf der Sirene?
über dem Teedampf
rosa Gewölk die Engel
backen beizeiten
nirgends ein Härchen
allenfalls gegen den Strich
spürt man die Stoppeln
knallige Farben
die Bücher passen perfekt
ins Kinderzimmer
sie zupft verzweifelt
in ihrer Bluse alles
außer Kontrolle
Briefmarken reichlich
tausende bunte Punkte
auf nassem Asphalt
so schön der auch ist
ist denn das brenzlige Wort
nicht längst verboten?
kaum taucht der Herbst auf
wirft die Kastanie ihr Kleid
rasch in die Wiese
das Eichhörnchen flieht
vom Blätterhimmel regnen
harte Kastanien
pflichtbewusst hütet
die Nachbarstochter das Haus
sturmfreie Bude
schon wieder Sonne
doch das Gewitter tropft noch
im Laub der Buche
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