er hat ihr Gesäß
aus Versehen gestreift nun
schreibt es ihm Briefe
the hips
he patted by mistake
send him a letter
(aus: Stephen Addiss: The Art of Haiku.
Boston & London: Shambhala 2012. 161.)
er hat ihr Gesäß
aus Versehen gestreift nun
schreibt es ihm Briefe
the hips
he patted by mistake
send him a letter
(aus: Stephen Addiss: The Art of Haiku.
Boston & London: Shambhala 2012. 161.)
wortreiche Hüften
senkt sie auf seinen standhaft
verschwiegenen Schoß
onto his silent lap
she lowers her
eloquent hips
(aus: Stephen Addiss: The Art of Haiku.
Boston & London: Shambhala 2012. 161.)
inzwischen können
die am Ende des Tunnels
mich husten hören
ein steiler Bergpfad
an jeder Biegung rempeln
mich Schmetterlinge
riesige Spinnen
spähen aus grünen Büschen
in meinen Kragen

Seidenspinne (Nephila Pilipes), Länge mit Beinen ca. 15 cm
der Regen glättet
die sanften Wellen im Kies
zu friedlichem Nichts
alpinistische Erkundungen in Hongkong
ein tollkühner Floh
hat sich beinaufwärts gebohrt
bis in die Wolken
sie näht sich Dessous
zeigt sie uns aber höchstens
auf drögen Fotos
so kurz man weiß nicht
wo franst der Saum und wo die
Trägerin selber
Bohnenstange knipst
Litfaßsäule tatsächlich
ein starkes Motiv
unter den Armen
mit zwei zwischen den Beinen
mit einer Stimme

schon ausgetrunken
nur noch am Grund der Schale
ein giftgrüner See
Nachtüberraschung
im bleichen Vollmond plappert
ein roter Krater
nachts träumt sie von mir
aber sie sagt mir nicht was
da träum ich halt selbst
die Augen bei Fuß
die Ohren in Bäumen voll
Vogelgezwitscher
ein paar Schluck Kaffee
schon wird das Marmortischchen
zum Weltenlenkrad

im Ernstfall schwächelt
jedes Parfüm am Ende
duften wir selber
rasende Blechwurst
von Bässen rhythmisch gebläht
und erst der Fahrer
mit goldnen Fingern
fummelt der Vollmond zwischen
den feuchten Gräsern
[As the wind rises,]
Dewdrops come glimmering down,
And pliant pampas
Soon divide themselves to let
The moon nestle there a while.
[The Zen Poems of Ryokan. Selected and Translated with an Introduction, Biographical Sketch, and Notes by Nobuyuki Yuasa. Princeton: Princeton University Press 1981. 136.]
Die Anregung zu diesem Vers geht zwar auf Ryokan und Nobuyuki Yuasa zurück. Aber es handelt sich selbstverständlich nicht um eine angemessene Übersetzung: Insbesondere entspricht das englische Verb „to nestle“ gewiss nicht dem deutschen „fummeln“!
aus schwarzen Trikots
windmühlenflügeln bleiche
Strumpfhosenbeine
rechts und links Krücken
wie soll das arme Kind nun
sein Smartphone halten?
die Blumen im Park
so bunt dass man sich glatt den
Winter zurückwünscht

die schwarzen Socken
ganz blau es fehlt an Frischluft
in meinen Schuhen
mit Haut und Haaren
stürzt sie sich in die Blüte
ich könnte das nicht
zwischen zwei Herren
im Zug an welche Schulter
soll sie sich lehnen?
er lässt an gar nichts
ein gutes Haar er will das
Haar in der Suppe
ein Bild des Jammers
Furchen reichlich aber kein
einziger Spargel
dunstige Zugfahrt
hundert buschige Hügel
mit dunklen Tunneln
ein deutsches Märchen
die Amsel leide
die Sommerzeit schade dem
Klang ihrer Stimme
der ewige Streit
wer Recht hat wer gut ist
nichts als Gequake
Ikkyū Sōjun (1394-1481):
[In the midst of happiness there is trouble in Ikkyū’s school.]
Each frog fighting for respect at the bottom of the well;
Day and night busy thinking about the details of the scriptures;
Right and wrong, self and other, fussing away a whole life.
[樂中有若一休門]
個個蛙爭井底尊
昼夜在心元字腳
是非人我一生喧
Arntzen, Sonja: Ikkyū Sōjun. A Zen Monk and his Poetry. Occasional Paper No. 4. Program in East Asian Studies. Western Washington State College. Washington 1973. 98f.
die Tempelfliegen
verdrehen die Pfötchen wie
Rosenkranzbeter
Kobayashi Issa (1763-1827):
The flies in the temple
imitate the hands
of the people with prayer beads.
The Essential Haiku. Versions of Basho, Buson, and Issa. Edited and with Verse Translations by Robert Hass. New York: HarperCollins 1994. 188.
Chrysanthemenzüchter
werden schließlich zu Sklaven
der Chrysanthemen
Yosa Buson (1716-1783)
when you grow chrysanthemums
you become a servant
of chrysanthemums
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W.S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 169.
Chrysanthemum growers –
you are the slaves
of chrysanthemums!
The Essential Haiku. Versions of Basho, Buson, and Issa. Edited and with Verse Translations by Robert Hass. New York: HarperCollins 1994. 100.
sie schlägt zwar nur kurz
aber tief innen summt sie
noch lange weiter
die Trommelfelle
wölben sich aufwärts auswärts
und abwärts einwärts
so falsch sie auch singt
ergraute Herren betteln
um Autogramme
ihr böser Schnupfen
und die Rassel des Enkels
ununterscheidbar
(Der Gebrauch von Taschentüchern ist in Japan unüblich.)
im Tempel noch Frost
draußen trifft mich die Zeder
mit einem Schneeball
finster entschlossen
nicht aufzubrechen mache
ich mich auf den Weg
zehntausend Tempel?
Erleuchtung winkt oft auch bei
Kaffee und Kuchen
Bashos Frosch hopst nicht
Regentropfen im Tontopf
sonst tote Hose
Matsuo Basho (1644-1694):
der alte Weiher
ein Frosch springt hinein
der Klang des Wassers
Siehe auch: Erkundungen im Iwama-Tempel am Biwasee
ihr klebt die Lippe
nach jedem Schluck noch lange
am Rand der Tasse
fliegendes Schwarzhaar
auf Zehenspitzen in Pumps
zum wartenden Bus
sie meint den Kuchen
kratzt aber mit der Gabel
an ihrem Smartphone
wer braucht schon Hauben?
die Klosterküche verwöhnt
mit Seetangsuppe
weiden da Schafe?
sieben Japaner bimmeln
auf steilem Bergpfad
Im japanischen Bergwald ist das Mitführen kleiner Glöckchen üblich. Durch das Gebimmel sollen unliebsame Begegnungen mit wilden Bären verhindert werden.
Wind löscht die Kerzen
aber der Buddha lächelt
als ob sie brennten
erst ziehharmonisch
über die Füße
es folgt ein langer
verwegener Ritt
beinaufwärts zu den
Waden und Schenkeln
dann endlich spürt man
den Anschlag im Schritt
Der Autor hat bei dem Versuch, im kalten Japan warme Kleidung überzustreifen, Erfahrungen gemacht, die er der literarischen Öffentlichkeit keinesfalls vorenthalten möchte. – Einer klugen Leserin ist es übrigens gelungen, diesen Reim allen Ernstes frauenfeindlich zu finden: Glückwunsch!
taufrisch und sauber
riechen sie doch verlockend
nach Meeresfrüchten
Es war leider nicht zu klären, ob die Hotelwäscherei etwa neben einer Marinadenfabrik liegt.
von allen Tischen
schniefen Schnupfen einander
geheime Grüße
ganz ohne Weihrauch
müssen hölzerne Buddhas
kläglich ersticken
Schiffe im Nebel
smartphoneblind warnt man einander
durch Naseschniefen
Kioto
aus nur zwei Beinen
flicht sie im Stehen einen
geschnörkelten Zopf
der rote Wegschrein
zermalmt wo soll der Berggeist
in Zukunft wohnen?
I
schon tausend Stufen
und ach zum Gipfeltempel
noch einmal tausend
II
der Berggeist schmückt mir
den Weg mit einem Teppich
aus Morgensonne
III
Kopfhörer brauche
ich nicht mir genügen die
Lieder der Krähen
IV
der Sturm letztes Jahr
den Waldweg durchweht der Duft
gefällter Zedern
Fellohrenschützer
so breit wie der halbe Kopf
Nicht überholen!
maikäferleise
summt eine alte Nonne
wortlose Lieder
Shoren-in
die Kronen wogen
unten knarzen gelassen
mächtige Stämme
strebt sie nach Bildung?
ach was! sie schaut im Spiegel
nach ihren Pickeln
er lächelt zwar nicht
aber er grüßt die Gäste
mit Wintersonne
selbst als der Bus kommt
rührt Yoko sich nicht vom Fleck
sie wartet so gern
I
winziges Mädchen
mit Stubenfliegenbeinen
schleppt großen Ranzen
II
winziges Mädchen
von einem Riesenranzen
schulwärts getrieben
Berge in Wolken
feuchtkalter Wind ich bleibe
zufrieden im Bett
gewaltige Schals
als läge ein Tennisball
auf einem Sofa

die tragen Mäntel
als hätten sie gleich den Schrank
mit angezogen

Stimmen Gelächter
Schinken Brötchen Salami
und weißer Milchschaum
so zart sie auch ist
wenn sie im Gang vorbeiläuft
erdbebt mein Sessel
von fern ist sie schick
von nahem aber schnurkst sie
den Nasenrotz hoch
am Ende gluckert
selbst noch die größte Liebe
durch Abflussröhren
die Schere im Kopf
kann er sich durchaus sparen
er denkt nur Kurzes
ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsdiskussion
die Susi hat es
bei mir vergessen
Sabine hat es
rasch durchgespült
es angezogen
und sich dann Jahre
in Susis Seide
sauwohl gefühlt
Ein Glücksfall. Dass die Sache auch weniger glimpflich hätte ausgehen können, zeigt der folgende Dialog zwischen den beiden in Wohngemeinschaft lebenden jungen Ärztinnen Angela und Caroline aus der britischen Fernsehserie „Green Wing“ (2004-2006):
Angela: Erm, in private, if that’s OK?
Caroline: Er, yep.
Angela: Maybe I should have waited. It’s just that it’s been bugging me and getting me annoyed, and I don’t want to get all stressed out and angry cos it makes me look ugly.
Caroline: What is it? Have I upset you?
Angela: Are you wearing my pants?
Caroline: What?
Angela: My white tanga briefs. They’re plain cotton, not sexies, but they’re my cute sportsies.
Caroline: No, I haven’t got them.
Angela: Ah, because I think you have. I put them in the drier, but they were gone today when I came to iron them.
Caroline: You iron your pants?
Angela: Of course. So if you could return them, I’ll say no more about it.
Caroline: But I haven’t taken them.
Angela: You’re wearing them now, aren’t you? Caroline, you let your dirty washing stack up, you were desperate for a fresh pair. I understand, but it’s the principle, you see. It’s theft. I will not wear them after your vagina has been in them – I’ll burn them – but I want what is legally mine.
Caroline: Shut up!
Angela: What?
Caroline: I haven’t taken your pants, I wouldn’t want to. Stop being so anal.
Angela: Give me back my pants.
Caroline: Don’t make me get cross.
Angela: You see, you’ve obviously got something to hide. Give me back my pants.
Caroline: Yes, I have died and gone to heaven. (…)
künstliche Wimpern
wie Straßenbesen Blicke
wie Kehrmaschinen
die Wiese noch grün
die Maulwurfshügel schon weiß
einhundert Fujis
klammheimlich rückt er
verrutschte Flurfußmatten
auf rechten Winkel
Tamsui, Taibei
den Graukopf gebeugt
die Weihrauchlanze in Glut
stürmt sie den Tempel
statt Wimpern Stacheln
hinter der Brille Augen
wie Tellereisen
als sie sich vorbeugt
glänzt zwischen T-Shirt
und Hosengürtel
ein Streifen Tattoo
ich greif zur Brille
schon steht sie aufrecht
und ach der Hemdspalt
schnappt wieder zu
stolz schwebt er über
dem Teich insgeheim steht er
auf einer Sandbank
die Mauern sind nicht
nur schwarz sie haben auch noch
die Buckelseuche
in all der Seide
abends die kleine Geisha
nicht mehr gefunden
sie trägt gern dicke
wollene Strümpfe
vom Straps beinabwärts
bis zu den Zehen
die halten sie warm
nur ganz ganz oben
kann man noch manchmal
Gänsehaut sehen
die weiße Wand die
schwarzen Schatten der Zweige
ein springender Punkt
die Hochsteckfrisur
ein schönes Geheimfach für
Hintergedanken
Männerhände auf
zarten Rücken erst oben
dann weiter unten
Tag für Tag übt sie
mit echtem Schampus nur ja
nicht umzufallen
das Kleid erweist sich
wenn man ganz unten drauftritt
als oben zu kurz
finstre Gesichter
das neue Jahr scheint ihnen
nicht zu gefallen
eine quantitative Untersuchung
101 Frauen
45 Gespräche
1 höllischer Lärm
sie langweilt oben
unten aber erfreut sie
mit Spitzenstrümpfen
sie dösen wortlos
über ihrem Prosecco
goldene Hochzeit
im Nachbargarten
das vergessene Bierglas
schon halb voll Regen
sie tauscht alles um
nur für den Gatten fehlt ihr
der Kassenzettel
dutzende Strümpfe
wenn doch ach wenigstens zwei
zusammenpassten
die Bäume im Park
ganz ohne Kerzen und Kitsch
welch eine Wohltat
I
kein Stern am Himmel
nur noch die sturmverwehten
Hemden der Engel
II
die hellen Fenster
spiegeln sich in den Pfützen
doppelte Freude
mehr und mehr Frauen
tragen wieder statt Jeans die
eigenen Beine
Sprudel ist ihnen
ein Graus sie schlürfen verzückt
reizloses Wasser
sie wirken grämlich
ihnen fehlt die korrekte
Untergangsfreude
sie lächelt mir zu
ich (70) stürme ins Bad
mein Haar zu strählen
blond und mit Brille
gluckert sie als ersöffe
in ihr ein Goldfisch
es geht ihnen gut
unglücklich sind sie trotzdem
aus Überzeugung
sie hat schon alles
leider hat sie es nicht in
anderen Farben
seitlich geschoren
nur ganz oben Locken ein
qualmender Schornstein
die lauten Nachbarn
von der Terrasse verscheucht
Herbstregenschauer
nach all der Sonne
der kühle Nieselregen
auf meinen Wangen
ich wäre so gern
ihr Badeentchen
dann schwebte ich sanft
auf kleinen Wellen
im knisternden Schaum
und dürfte zög sie
plötzlich den Stöpsel
an ihr zerschellen
wenn sie nicht da ist
tanzen in ihren Schuhen
die Seidenstrümpfe
sie kickt die Pumps weg
und speist in Söckchen er träumt
von langen Nylons
wenn man gut hinhört
hört man ihr dunkles Auge
beim Zwinkern schmatzen
frei nach Arno Schmidt: Tina / oder
über die Unsterblichkeit. 1958.
eingezwängt zwischen
Schwabbelbacke und Kopftuch
ihr weißes Handy
der Mond gespiegelt
in tausend Suppenschälchen
mit Lauch und Nudeln
sie drückt auf den Knopf
schon ist ihr Sommerkleidchen
wie weggeblasen
haarig war gestern
hier rasiert man sogar schon
die Kokosnüsse
manche verreisen
um auswärts ihre Tattoos
Gassi zu führen
immer nur Weihrauch
sie träumt des Nachts von einem
Posten im Fischmarkt
statt eines Fischs ein
Portemonnaie nun streiten sie
lachend ums Geld
sie schwingt die Hüften
in Nylons und knappem Rock
wie soll ich essen?
im Nachbarhochhaus
leuchtet von tausend Fenstern
ein einziges rot
er hat sie versetzt
nun isst sie trotzig lauter
Hörnchen mit Butter
ein kühler Windstoß
Gänsehaut wandert über
die Bäume im Park
am Stehtisch grübelt
über dem Cappuccino
ein brauner Turban
er schwingt die Beine
lässig seitlich im Halbkreis
um seine Mitte
Zeitungsgezeter
lieber hör ich das leise
Murmeln der Haiku
ein kurzes Glitzern
später die ganze Nacht lang
der goldene Mond
statt hoch zur Sonne
schaut sie zur Spitzenwäsche
im Nachbargarten
über dem Stadtpark
zerfetzte Wolken Bäume
mit Sturmfrisuren
zwei alte Damen
bekämpfen einander mit
Goldschmuck und Enkeln
da geht ein Bettler
Himmel und Erde trägt er
als Sommerkleider
Kikaku (1661-1707)
There a beggar goes!
Heaven and Earth he’s wearing
for his summer clothes!
(aus: Anthology of Japanese Literature. From the Earliest Era to the Mid-nineteenth Century. Compiled and edited by Donald Keene. Tokyo: Tuttle 1956. 385. Übersetzung: Harold G. Henderson.)
was wir auch sagen
jeden kleinen Gedanken
durchkreuzen Wespen
ein Originalton
… ohne Light haben
wir Joghurt nicht wir haben
nur Joghurt mit Light …
kaum tanzen Wespen
vor ihrer Nase schon springt
sie auf und tanzt mit
knisternde Spannung
Hemdbrustknopflöcher würgen
röchelnde Knöpfe
die Bäume rascheln
wie Cornflakes die Brise knirscht
zwischen den Zähnen
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