am Ende gluckert
selbst noch die größte Liebe
durch Abflussröhren
Keine Zensur
die Schere im Kopf
kann er sich durchaus sparen
er denkt nur Kurzes
Das Spitzenhöschen
ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsdiskussion
die Susi hat es
bei mir vergessen
Sabine hat es
rasch durchgespült
es angezogen
und sich dann Jahre
in Susis Seide
sauwohl gefühlt
Ein Glücksfall. Dass die Sache auch weniger glimpflich hätte ausgehen können, zeigt der folgende Dialog zwischen den beiden in Wohngemeinschaft lebenden jungen Ärztinnen Angela und Caroline aus der britischen Fernsehserie „Green Wing“ (2004-2006):
Angela: Erm, in private, if that’s OK?
Caroline: Er, yep.
Angela: Maybe I should have waited. It’s just that it’s been bugging me and getting me annoyed, and I don’t want to get all stressed out and angry cos it makes me look ugly.
Caroline: What is it? Have I upset you?
Angela: Are you wearing my pants?
Caroline: What?
Angela: My white tanga briefs. They’re plain cotton, not sexies, but they’re my cute sportsies.
Caroline: No, I haven’t got them.
Angela: Ah, because I think you have. I put them in the drier, but they were gone today when I came to iron them.
Caroline: You iron your pants?
Angela: Of course. So if you could return them, I’ll say no more about it.
Caroline: But I haven’t taken them.
Angela: You’re wearing them now, aren’t you? Caroline, you let your dirty washing stack up, you were desperate for a fresh pair. I understand, but it’s the principle, you see. It’s theft. I will not wear them after your vagina has been in them – I’ll burn them – but I want what is legally mine.
Caroline: Shut up!
Angela: What?
Caroline: I haven’t taken your pants, I wouldn’t want to. Stop being so anal.
Angela: Give me back my pants.
Caroline: Don’t make me get cross.
Angela: You see, you’ve obviously got something to hide. Give me back my pants.
Caroline: Yes, I have died and gone to heaven. (…)
Lebendige Poesie
Samstagabend
künstliche Wimpern
wie Straßenbesen Blicke
wie Kehrmaschinen
Waldhorn
Schneegrieseln
die Wiese noch grün
die Maulwurfshügel schon weiß
einhundert Fujis
Café K, Hannover-Linden
Selbstbildnis als guter Nachbar
klammheimlich rückt er
verrutschte Flurfußmatten
auf rechten Winkel
Fromme Alte
Tamsui, Taibei
den Graukopf gebeugt
die Weihrauchlanze in Glut
stürmt sie den Tempel
Reichlich Mascara
statt Wimpern Stacheln
hinter der Brille Augen
wie Tellereisen
Verpasst
als sie sich vorbeugt
glänzt zwischen T-Shirt
und Hosengürtel
ein Streifen Tattoo
ich greif zur Brille
schon steht sie aufrecht
und ach der Hemdspalt
schnappt wieder zu
Ein Enterich
stolz schwebt er über
dem Teich insgeheim steht er
auf einer Sandbank
Dresdner Barock
die Mauern sind nicht
nur schwarz sie haben auch noch
die Buckelseuche
Kimono
in all der Seide
abends die kleine Geisha
nicht mehr gefunden
Wintergarderobe
sie trägt gern dicke
wollene Strümpfe
vom Straps beinabwärts
bis zu den Zehen
die halten sie warm
nur ganz ganz oben
kann man noch manchmal
Gänsehaut sehen
Kleiner Wintervogel
die weiße Wand die
schwarzen Schatten der Zweige
ein springender Punkt
Figaro rät:
die Hochsteckfrisur
ein schönes Geheimfach für
Hintergedanken
Feuerwehrball
Männerhände auf
zarten Rücken erst oben
dann weiter unten
Vor dem Feuerwehrball
Tag für Tag übt sie
mit echtem Schampus nur ja
nicht umzufallen
Ballgarderobe
das Kleid erweist sich
wenn man ganz unten drauftritt
als oben zu kurz
Passanten im Januar
finstre Gesichter
das neue Jahr scheint ihnen
nicht zu gefallen
Im Café
eine quantitative Untersuchung
101 Frauen
45 Gespräche
1 höllischer Lärm
Undercut
Junge Frau in der Stadtbahn
sie langweilt oben
unten aber erfreut sie
mit Spitzenstrümpfen
Paar im Bistro
sie dösen wortlos
über ihrem Prosecco
goldene Hochzeit
Markthallenbistro
Neujahr
im Nachbargarten
das vergessene Bierglas
schon halb voll Regen
Zwischen den Jahren
sie tauscht alles um
nur für den Gatten fehlt ihr
der Kassenzettel
Vor dem Kleiderschrank
dutzende Strümpfe
wenn doch ach wenigstens zwei
zusammenpassten
Adventsspaziergang
die Bäume im Park
ganz ohne Kerzen und Kitsch
welch eine Wohltat
Regnerischer Advent
I
kein Stern am Himmel
nur noch die sturmverwehten
Hemden der Engel
II
die hellen Fenster
spiegeln sich in den Pfützen
doppelte Freude
Modetelegramm aus der Innenstadt
mehr und mehr Frauen
tragen wieder statt Jeans die
eigenen Beine
Die Erleuchteten
Sprudel ist ihnen
ein Graus sie schlürfen verzückt
reizloses Wasser
Vertippt
Seniorenstammtisch
sie wirken grämlich
ihnen fehlt die korrekte
Untergangsfreude
Alter Narr
sie lächelt mir zu
ich (70) stürme ins Bad
mein Haar zu strählen
Junge Frau am Nebentisch
blond und mit Brille
gluckert sie als ersöffe
in ihr ein Goldfisch
Altes Ehepaar
es geht ihnen gut
unglücklich sind sie trotzdem
aus Überzeugung
Arme Reiche
sie hat schon alles
leider hat sie es nicht in
anderen Farben
Kurzhaarfrisur
seitlich geschoren
nur ganz oben Locken ein
qualmender Schornstein
Freundliches Wetter
die lauten Nachbarn
von der Terrasse verscheucht
Herbstregenschauer
Herbstfreude
nach all der Sonne
der kühle Nieselregen
auf meinen Wangen
Der Traum von der Seefahrt
ich wäre so gern
ihr Badeentchen
dann schwebte ich sanft
auf kleinen Wellen
im knisternden Schaum
und dürfte zög sie
plötzlich den Stöpsel
an ihr zerschellen
Die Frau des Schlangenbeschwörers
wenn sie nicht da ist
tanzen in ihren Schuhen
die Seidenstrümpfe
Dîner romantique
sie kickt die Pumps weg
und speist in Söckchen er träumt
von langen Nylons
Tina
wenn man gut hinhört
hört man ihr dunkles Auge
beim Zwinkern schmatzen
frei nach Arno Schmidt: Tina / oder
über die Unsterblichkeit. 1958.
Freihändig
eingezwängt zwischen
Schwabbelbacke und Kopftuch
ihr weißes Handy
Herbst in Hanoi
der Mond gespiegelt
in tausend Suppenschälchen
mit Lauch und Nudeln
Vor dem Ventilator
sie drückt auf den Knopf
schon ist ihr Sommerkleidchen
wie weggeblasen
Kahl in Hanoi
haarig war gestern
hier rasiert man sogar schon
die Kokosnüsse
Touristen 2018
manche verreisen
um auswärts ihre Tattoos
Gassi zu führen
Tempelkatze
immer nur Weihrauch
sie träumt des Nachts von einem
Posten im Fischmarkt
Angler am Thien-Quang-See in Hanoi
statt eines Fischs ein
Portemonnaie nun streiten sie
lachend ums Geld
Caféhaus in Hanoi
Loungekellnerin
sie schwingt die Hüften
in Nylons und knappem Rock
wie soll ich essen?
Sonnenaufgang in Hanoi
im Nachbarhochhaus
leuchtet von tausend Fenstern
ein einziges rot
Frankfurter Hauptwache
er hat sie versetzt
nun isst sie trotzig lauter
Hörnchen mit Butter
Herbstanfang
ein kühler Windstoß
Gänsehaut wandert über
die Bäume im Park
Bistro mit Inder
am Stehtisch grübelt
über dem Cappuccino
ein brauner Turban
Macho in Jogginghose
er schwingt die Beine
lässig seitlich im Halbkreis
um seine Mitte
Morgenlektüre
Zeitungsgezeter
lieber hör ich das leise
Murmeln der Haiku
Feuerwerk
ein kurzes Glitzern
später die ganze Nacht lang
der goldene Mond
Eigenwillige Sonnenblume
statt hoch zur Sonne
schaut sie zur Spitzenwäsche
im Nachbargarten
Abendhimmel
über dem Stadtpark
zerfetzte Wolken Bäume
mit Sturmfrisuren
Kaffeeklatsch
zwei alte Damen
bekämpfen einander mit
Goldschmuck und Enkeln
da geht ein Bettler
Himmel und Erde trägt er
als Sommerkleider
Kikaku (1661-1707)
There a beggar goes!
Heaven and Earth he’s wearing
for his summer clothes!
(aus: Anthology of Japanese Literature. From the Earliest Era to the Mid-nineteenth Century. Compiled and edited by Donald Keene. Tokyo: Tuttle 1956. 385. Übersetzung: Harold G. Henderson.)
Frühstück auf der Terrasse
was wir auch sagen
jeden kleinen Gedanken
durchkreuzen Wespen
Im Supermarkt
ein Originalton
… ohne Light haben
wir Joghurt nicht wir haben
nur Joghurt mit Light …
Gesellig
kaum tanzen Wespen
vor ihrer Nase schon springt
sie auf und tanzt mit
Ein beleibter Herr
knisternde Spannung
Hemdbrustknopflöcher würgen
röchelnde Knöpfe
Dürre
die Bäume rascheln
wie Cornflakes die Brise knirscht
zwischen den Zähnen
Augustnachmittag
bei ihr weiß ich nie
ist sie die Wespe oder
der Pflaumenkuchen
Dame mit Dobermann
an straffer Leine
stürzt sie mit ihm ins Gebüsch
zu seinen Mäusen
Modetelegramm aus der Sommerhitze
die Säume wandern
langsam vom Südpolarkreis
an den Äquator
Hundstage
besser als Eiskrem
kühlt es mich ab ihr Foto
nicht anzusehen
Rosa Etuikleid
im Schrank nur ein Schlauch
mit ihr drin dagegen die
Hülse der Venus
Unerhört
ich klopfe zärtlich
streichle sogar ihre Tür
und sie ist nicht da
Tourismuswerbung für Beijing
null Ferner Osten
kaufen saufen und knipsen
ganz wie zu Hause
Kunstgriff
sie zerrt die Hotpants
in sich hinein um lange
Beine zu kriegen
Hochzeitsfoto, Beijing
I
in rosa Tüllkram
verkleidet die künftige
Herrin des Hauses?
II
huckepack trägt er
die Braut ist er ihr Retter
oder ihr Esel?

Cafe Confucius, Beijing
Lama-Tempel, Beijing
den kleinen Buddha
seh ich komplett vom großen
gerade die Zehen

Der hölzerne Buddha in der Haupthalle des Tempels ist achtzehn Meter hoch; sein oberer Teil ist in der engen Halle nur schwer und nur mit in den Nacken gebeugtem Kopf zu betrachten.
Hochsommer in Beijing
statt warmer Hosen
tragen die Frauen ihren
Zitronenpudding
Beijing, Yanyue Hutong
im Mauergeviert
unter Bananenblättern
blinzelt die Katze

Gepäckkontrolle beim Abflug in Tokio
im Herzen wiegen
hundert goldene Buddhas
noch nicht mal ein Gramm
Schlaflos im Flughafenhotel
im Nebenzimmer
startet und landet ein Paar
schon seit zwei Stunden
39° in Kioto
nur ja keine Frau
lieber eine gewiefte
Ventilatorin
Ruhestörung
Shigain Monzeki Tempel, Sakamoto
wie wäre es still
im Klostergarten rülpste
da nicht ein Karpfen
Zugfahrt nach Hamaotsu
Pilgerin im Hase-dera in Sakurai
zwölfmal umkreist sie
die Tempelhalle Buddha
verdreht sich den Hals
Uniformierte Schülerinnen in Yamato-Yagi
Nachmittagssonne
zwischen Socken und Rocksaum
goldene Waden
Japanischer Farbholzschnitt
oben Kimonos
unten kämpfende Schenkel
und Kiefernborsten

„Shunga (jap. 春画, Frühlingsbilder) ist der japanische Begriff für Gemälde, Drucke und Bilder jeder Art, die in expliziter Weise sexuelle Handlungen darstellen. Obwohl Shunga auch als Gemälde, Zeichnungen, Kupferstiche oder Fotos existieren, werden darunter üblicherweise entsprechende japanische Farbholzschnitte oder Bücher der Edo- und Meiji-Zeit (17. Jahrhundert bis 1912) verstanden.“ (Wikipedia)
Touristin in Kioto
sie hat fast nichts an
und trotzdem platzt sie krachend
aus allen Nähten
Sommerhitze im Eikando
sogar der Goldfisch
nimmt sich ein Seerosenblatt
als Sonnenschirmchen
Shinto-Schrein auf dem Mount Atago
der Tempelgeist schläft
manchmal zittern die Farne
wenn er sich umdreht

Sommernacht in Kioto
ein Luftzug wölbt die
Gardine prompt träume ich
etwas Gewölbtes
Erkundungen im Iwama-Tempel am Biwasee
Bashos Froschs Enkel
plumpsen zwar nicht in den Teich
aber sie quaken
Matsuo Basho (1644-1694):
der alte Weiher
ein Frosch springt hinein
der Klang des Wassers

Regen im Shoren-Tempel, Kioto
der Goldfischweiher
trägt jetzt ein weißes Pelzchen
aus Wasserspritzern
Waldvögel am Hiei-Berg in Kioto
man sieht sie zwar nicht
aber im Nebenzimmer
hört man sie kichern
Heiterer Nachtflug
nicht hier und nicht da
eigentlich beinah nirgends
fast schon gestorben
Schwarzafrikaner im Zug nach Frankfurt
Zwiebelmettbrötchen
munden ihm gut er atmet
die deutsche Kultur
Gesichtspflege
die Nasenhaare
gestutzt bald summen Bienchen
in meine Nüstern
Ikkyūs Zen
Sitzen und Singen?
lieber die schlichte Weisheit
der Sinnesfreuden
Ikkyū Sōjun (1394-1481)
don’t hesitate get laid that’s wisdom
sitting around chanting what crap
(Crow With No Mouth. Ikkyū. Fifteenth Century Zen Master.
Versions by Stephen Berg. Port Townsend: Copper Canyon Press 1989. 54. Klappentext: „Zen master Ikkyū Sōjun was a Japanese monk-poet-calligrapher-musician who celebrated erotic love and attained satori upon hearing a crow call. Appointed headmaster at Daitokuji, the great temple in Kyoto, he lasted nine days before denouncing the rampant hypocrisy among the monks. He invited them to look for him in the sake parlors of the Pleasure Quarters.“)
Flotte Radlerin
ob ihr der Fahrtwind
beim Rock hinein- und bei den
Ohren herauspfeift?
Brief an eine Bäckerin
… rote Kirschen auf
Sahne ich träume täglich
von Ihrer Torte! …
Sommerabend
im Westen Silber
die hohen Kiefern schon schwarz
Holzschnitt mit Amsel
Seufzer in I-moll für I.
nun ist sie wieder
in Misburg lieber schriebe
ich ihr nach Paris
Foto aus Paris
selbst die Gioconda
würde zum Mauerblümchen
vor diesem Lächeln
Mit Haut und Haar
nicht eine Wimper
lässt sie zu Hause sie reist
komplett nach Paris
Frühstück mit Fischbrötchen
ihr Rocksaum schaukelt
der Ventilator weht uns
Wind um die Beine
Meisennest auf dem Balkon
erst nur Gepiepse
aber allmählich lernen
die Kleinen singen
Schönheitsoperation
wo sonst ihr Mund war
schmollt jetzt in ihrem Gesicht
ein Entenschnabel
Nachtrag zur Datenschutzverordnung
unsere Traumfrau
muss uns die Träume vorher
schriftlich gestatten
Schönheitsfehler
künstliche Wimpern
in einem bösen Gesicht
Augen mit Krallen
Sekt zum Frühstück
am Ende waren
unsere Herzen schneller
als unsre Füße
Verpasst
ihr Achterbahntraum
ich wäre damals verdammt
gern zugestiegen
Untröstlich
da träumt mal endlich
eine von mir und ich? ich
Trottel verschlaf es
Frühlingsbalkon
die Wipfel wogen
uns weht der lauwarme Wind
wild durch die Köpfe
Frühstücksbesuch II
sie klopft ich fege
schnell noch die toten Fliegen
von der Kommode
Frühstücksbesuch I
ob sie Kakao mag?
seit Tagen feile ich an
der Einkaufsliste
Jungfernstieg
der Alsterwal bläst
der Wind weht feinen Nebel
in meinen Kaffee
Dunkles Café
ihr rundliches Knie
unter dem Flecken Sonne
ein weißer Kohlkopf
Kellnerin
ohne Bedenken
würgt sie auch noch die Börse
in ihre Hose
Erkenntnis vor dem Spiegel
Schnuppe
Jahreszeiten sind
schnuppe wichtig ist eine
ruhige Seele
[无门]慧开 (1183-1260): 春有百花
春有百花秋有月
夏有凉风冬有雪
若无闲事挂心头
便是人间好时节
[Wumen] Huikai (1183-1260): Spring Has Its Myriad Flowers
Spring has its myriad flowers, autumn its moon;
summer has cool breezes, winter its snows.
If your mind is free of trivial worries,
this then is a good season in human terms.
(A Full Load of Moonlight. Chinese Chan Buddhist Poems. Translated by Mary M. J. Fung and David Lunde. Hongkong: Musical Stone Culture 2014. 82.)
Tänzerin
sie schwenkt die Hüften
auf Teufel komm raus doch ach
der Teufel bleibt drin
Sesshaft
bin längst woanders
und sitze doch noch auf dem
gelbroten Sofa
Enges Sofa
zwei Tassen Kaffee
zehnmal zehntausend Worte
zweimal zwei Füße
Weserfrühstück
draußen schwirren die
Schwalben wir fliegen drinnen
auf bunten Polstern
Einkaufszettel
zwischen 2 Tüten
Pflaumen und 3 Pfund Gurken
1 Liebesgedicht
Christi Himmelfahrt
die Amseln zwitschern
die bleiben wohl lieber noch
hier auf der Erde
Aus dem Nähkästchen
sie spricht in Schwarzweiß
ich aber höre alles
in Haut und Himbeer
Überschätzt
er gilt als Genie
dabei kann er noch nicht mal
richtig vergessen
Semperoper, Dresden
vom höchsten Balkon
sehen wir ganz weit unten
die Macht des Schicksals
„La forza del destino (Die Macht des Schicksals)“ ist eine
1862 uraufgeführte Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi.
Ristorante Castello
alle schon fort der
Kellner schielt nach der Uhr wir
reden noch immer
Frühlingsmorgen
die Tür steht offen
ein Eichhörnchen liest das Buch
auf meinem Schreibtisch
Ballerina III
ihr steifes Röckchen
gaukelt uns vor ihr Hintern
sei eine Scheibe
Ballerina II
die Beinpinzette
zupft noch die kleinsten Stäubchen
vom Bühnenboden
Ballerina I
sie ringt die Arme
um aller Welt zu zeigen
wie groß der Mond ist
Vorschlag für ein neues Wort
sollte man Frauen
die Enkel erwarten nicht
großschwanger nennen?
Frl. Suzuki
Pappmachégeisha
Nacht für Nacht steigt sie lächelnd
zu mir herunter

Frl. Suzuki, ehemals Werbebotschafterin für TEEFIX-Tee, ist pensioniert, aber durchaus noch rüstig.
Schlankheitsapostel
er wiegt sich stets erst
wenn er rasiert ist klar doch
dann ist er leichter
Frühstück im Grünen
beschwingt vom Rührei
planen wir eine wilde
Spritztour nach China
Geheimnisträgerin
sie ist so diskret
ihr Mund vor lauter Schweigen
nur noch ein Knopfloch
Audionachricht
sie sagt sie bebe
ich sehe ein Cello mit
summenden Saiten
Mit Siebzig im April
das Karussell rast
eben dreht es mich wieder
am Frühling vorbei
Eitler Erpel
er mimt den Riesen
insgeheim aber steht er
auf einer Sandbank
Der Frühling
die Zeitung kaut ihn
uns vor aber ich koste
ihn lieber selber
Raumnot
er weiß fast alles
sein Kopf ist so voll dass er
den Mund nicht zukriegt
A Cup of Tea: Nan-in, a Japanese master during the Meiji era (1868-1912) received a university professor who came to inquire about Zen. Nan-in served tea. He poured his visitor’s cup full, and then kept on pouring. The professor watched the overflow until he no longer could restrain himself. ‚It is overfull. No more will go in!‘ ‘Like this cup,‘ Nan-in said. ‘You are full of your own opinions and speculations. How can I show you Zen unless you first empty your cup?‘ (aus: Reps, Paul (ed.): Zen Flesh, Zen Bones.)











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