drei Balletteusen
lüften die Bürzel zum
Purzelbaum rückwärts
Tiefergelegt
rasende Blechwurst
von Bässen rhythmisch gebläht
und erst der Fahrer
Senryū
Mainacht
mit goldnen Fingern
fummelt der Vollmond zwischen
den feuchten Gräsern
[As the wind rises,]
Dewdrops come glimmering down,
And pliant pampas
Soon divide themselves to let
The moon nestle there a while.
[The Zen Poems of Ryokan. Selected and Translated with an Introduction, Biographical Sketch, and Notes by Nobuyuki Yuasa. Princeton: Princeton University Press 1981. 136.]
Die Anregung zu diesem Vers geht zwar auf Ryokan und Nobuyuki Yuasa zurück. Aber es handelt sich selbstverständlich nicht um eine angemessene Übersetzung: Insbesondere entspricht das englische Verb „to nestle“ gewiss nicht dem deutschen „fummeln“!
Ballettstunde
aus schwarzen Trikots
windmühlenflügeln bleiche
Strumpfhosenbeine
Verstauchter Fuß
rechts und links Krücken
wie soll das arme Kind nun
sein Smartphone halten?
Frühlingsnöte
die Blumen im Park
so bunt dass man sich glatt den
Winter zurückwünscht

Asphyxie
die schwarzen Socken
ganz blau es fehlt an Frischluft
in meinen Schuhen
Biene im Birnbaum
mit Haut und Haaren
stürzt sie sich in die Blüte
ich könnte das nicht
Frau Buridan
zwischen zwei Herren
im Zug an welche Schulter
soll sie sich lehnen?
Herr Lou Kunming aus Hangzhou
er lässt an gar nichts
ein gutes Haar er will das
Haar in der Suppe
Vorfrühling in Schwetzingen
ein Bild des Jammers
Furchen reichlich aber kein
einziger Spargel
Kasseler Berge
dunstige Zugfahrt
hundert buschige Hügel
mit dunklen Tunneln
Die Prinzessin auf der Stunde
ein deutsches Märchen
die Amsel leide
die Sommerzeit schade dem
Klang ihrer Stimme
Fotogruß aus Tokio
Lauter Brunnenfrösche
der ewige Streit
wer Recht hat wer gut ist
nichts als Gequake
Ikkyū Sōjun (1394-1481):
[In the midst of happiness there is trouble in Ikkyū’s school.]
Each frog fighting for respect at the bottom of the well;
Day and night busy thinking about the details of the scriptures;
Right and wrong, self and other, fussing away a whole life.
[樂中有若一休門]
個個蛙爭井底尊
昼夜在心元字腳
是非人我一生喧
Arntzen, Sonja: Ikkyū Sōjun. A Zen Monk and his Poetry. Occasional Paper No. 4. Program in East Asian Studies. Western Washington State College. Washington 1973. 98f.
Nachahmung
die Tempelfliegen
verdrehen die Pfötchen wie
Rosenkranzbeter
Kobayashi Issa (1763-1827):
The flies in the temple
imitate the hands
of the people with prayer beads.
The Essential Haiku. Versions of Basho, Buson, and Issa. Edited and with Verse Translations by Robert Hass. New York: HarperCollins 1994. 188.
Unterwerfung
Chrysanthemenzüchter
werden schließlich zu Sklaven
der Chrysanthemen
Yosa Buson (1716-1783)
when you grow chrysanthemums
you become a servant
of chrysanthemums
Collected Haiku of Yosa Buson. Translated by W.S. Merwin & Takako Lento. Port Townsend, Washington: Copper Canyon Press 2013. 169.
Chrysanthemum growers –
you are the slaves
of chrysanthemums!
The Essential Haiku. Versions of Basho, Buson, and Issa. Edited and with Verse Translations by Robert Hass. New York: HarperCollins 1994. 100.
Die Klosterglocke auf dem Hieizan
sie schlägt zwar nur kurz
aber tief innen summt sie
noch lange weiter
Aufzug zum 47. Stock
die Trommelfelle
wölben sich aufwärts auswärts
und abwärts einwärts
Nachwuchssternchen in Rinku-Town
so falsch sie auch singt
ergraute Herren betteln
um Autogramme
Japanische Großmutter im Zug nach Tennoji
ihr böser Schnupfen
und die Rassel des Enkels
ununterscheidbar
(Der Gebrauch von Taschentüchern ist in Japan unüblich.)
Tauwetter auf dem Hieizan
im Tempel noch Frost
draußen trifft mich die Zeder
mit einem Schneeball
Märzmorgen in Kioto
finster entschlossen
nicht aufzubrechen mache
ich mich auf den Weg
Zweifel in Kioto
zehntausend Tempel?
Erleuchtung winkt oft auch bei
Kaffee und Kuchen
Winterruhe im Iwama-Tempel am Biwasee
Bashos Frosch hopst nicht
Regentropfen im Tontopf
sonst tote Hose
Matsuo Basho (1644-1694):
der alte Weiher
ein Frosch springt hinein
der Klang des Wassers
Siehe auch: Erkundungen im Iwama-Tempel am Biwasee
Zärtlich bei Starbucks
ihr klebt die Lippe
nach jedem Schluck noch lange
am Rand der Tasse
Morgengalopp
fliegendes Schwarzhaar
auf Zehenspitzen in Pumps
zum wartenden Bus
Zerstreut
sie meint den Kuchen
kratzt aber mit der Gabel
an ihrem Smartphone
Japanisches Papierfenster
Guide Bayer: Speisen im Enryaku-ji
wer braucht schon Hauben?
die Klosterküche verwöhnt
mit Seetangsuppe
Bärenglöckchen
weiden da Schafe?
sieben Japaner bimmeln
auf steilem Bergpfad
Im japanischen Bergwald ist das Mitführen kleiner Glöckchen üblich. Durch das Gebimmel sollen unliebsame Begegnungen mit wilden Bären verhindert werden.
Hasedera
Wind löscht die Kerzen
aber der Buddha lächelt
als ob sie brennten
Über das Anlegen einer Strumpfhose
erst ziehharmonisch
über die Füße
es folgt ein langer
verwegener Ritt
beinaufwärts zu den
Waden und Schenkeln
dann endlich spürt man
den Anschlag im Schritt
Der Autor hat bei dem Versuch, im kalten Japan warme Kleidung überzustreifen, Erfahrungen gemacht, die er der literarischen Öffentlichkeit keinesfalls vorenthalten möchte. – Einer klugen Leserin ist es übrigens gelungen, diesen Reim allen Ernstes frauenfeindlich zu finden: Glückwunsch!
Hotelhandtücher!
taufrisch und sauber
riechen sie doch verlockend
nach Meeresfrüchten
Es war leider nicht zu klären, ob die Hotelwäscherei etwa neben einer Marinadenfabrik liegt.
Café in Kioto
von allen Tischen
schniefen Schnupfen einander
geheime Grüße
Kyoto Museum
ganz ohne Weihrauch
müssen hölzerne Buddhas
kläglich ersticken
Hotelfrühstück in Kioto
Schiffe im Nebel
smartphoneblind warnt man einander
durch Naseschniefen
Schulmädchen an der Bushaltestelle
Kioto
aus nur zwei Beinen
flicht sie im Stehen einen
geschnörkelten Zopf
Umgestürzte Zeder am Atago San
der rote Wegschrein
zermalmt wo soll der Berggeist
in Zukunft wohnen?
Atago San
I
schon tausend Stufen
und ach zum Gipfeltempel
noch einmal tausend
II
der Berggeist schmückt mir
den Weg mit einem Teppich
aus Morgensonne
III
Kopfhörer brauche
ich nicht mir genügen die
Lieder der Krähen
IV
der Sturm letztes Jahr
den Waldweg durchweht der Duft
gefällter Zedern
Wintermode in Kioto III
Fellohrenschützer
so breit wie der halbe Kopf
Nicht überholen!
Saikyo-Tempel, Otsu Sakamoto
maikäferleise
summt eine alte Nonne
wortlose Lieder
Bambus im Sturm
Shoren-in
die Kronen wogen
unten knarzen gelassen
mächtige Stämme
Mädchen mit Smartphone
strebt sie nach Bildung?
ach was! sie schaut im Spiegel
nach ihren Pickeln
Wieder im Shoren-Tempel
er lächelt zwar nicht
aber er grüßt die Gäste
mit Wintersonne
Haltestelle
selbst als der Bus kommt
rührt Yoko sich nicht vom Fleck
sie wartet so gern
Morgennotizen aus Kioto
I
winziges Mädchen
mit Stubenfliegenbeinen
schleppt großen Ranzen
II
winziges Mädchen
von einem Riesenranzen
schulwärts getrieben
Urlaubsfreude in Kioto
Berge in Wolken
feuchtkalter Wind ich bleibe
zufrieden im Bett
Wintermode in Kioto II
gewaltige Schals
als läge ein Tennisball
auf einem Sofa

Wintermode in Kioto I
die tragen Mäntel
als hätten sie gleich den Schrank
mit angezogen

Kaffeebar
Stimmen Gelächter
Schinken Brötchen Salami
und weißer Milchschaum
Chinesische Stewardess
so zart sie auch ist
wenn sie im Gang vorbeiläuft
erdbebt mein Sessel
Überstürzter Platzwechsel in der Lufthansa-Lounge
von fern ist sie schick
von nahem aber schnurkst sie
den Nasenrotz hoch
Hotelgedanken
am Ende gluckert
selbst noch die größte Liebe
durch Abflussröhren
Keine Zensur
die Schere im Kopf
kann er sich durchaus sparen
er denkt nur Kurzes
Das Spitzenhöschen
ein Beitrag zur Nachhaltigkeitsdiskussion
die Susi hat es
bei mir vergessen
Sabine hat es
rasch durchgespült
es angezogen
und sich dann Jahre
in Susis Seide
sauwohl gefühlt
Ein Glücksfall. Dass die Sache auch weniger glimpflich hätte ausgehen können, zeigt der folgende Dialog zwischen den beiden in Wohngemeinschaft lebenden jungen Ärztinnen Angela und Caroline aus der britischen Fernsehserie „Green Wing“ (2004-2006):
Angela: Erm, in private, if that’s OK?
Caroline: Er, yep.
Angela: Maybe I should have waited. It’s just that it’s been bugging me and getting me annoyed, and I don’t want to get all stressed out and angry cos it makes me look ugly.
Caroline: What is it? Have I upset you?
Angela: Are you wearing my pants?
Caroline: What?
Angela: My white tanga briefs. They’re plain cotton, not sexies, but they’re my cute sportsies.
Caroline: No, I haven’t got them.
Angela: Ah, because I think you have. I put them in the drier, but they were gone today when I came to iron them.
Caroline: You iron your pants?
Angela: Of course. So if you could return them, I’ll say no more about it.
Caroline: But I haven’t taken them.
Angela: You’re wearing them now, aren’t you? Caroline, you let your dirty washing stack up, you were desperate for a fresh pair. I understand, but it’s the principle, you see. It’s theft. I will not wear them after your vagina has been in them – I’ll burn them – but I want what is legally mine.
Caroline: Shut up!
Angela: What?
Caroline: I haven’t taken your pants, I wouldn’t want to. Stop being so anal.
Angela: Give me back my pants.
Caroline: Don’t make me get cross.
Angela: You see, you’ve obviously got something to hide. Give me back my pants.
Caroline: Yes, I have died and gone to heaven. (…)
Lebendige Poesie
Samstagabend
künstliche Wimpern
wie Straßenbesen Blicke
wie Kehrmaschinen
Waldhorn
Schneegrieseln
die Wiese noch grün
die Maulwurfshügel schon weiß
einhundert Fujis
Café K, Hannover-Linden
Selbstbildnis als guter Nachbar
klammheimlich rückt er
verrutschte Flurfußmatten
auf rechten Winkel
Fromme Alte
Tamsui, Taibei
den Graukopf gebeugt
die Weihrauchlanze in Glut
stürmt sie den Tempel
Reichlich Mascara
statt Wimpern Stacheln
hinter der Brille Augen
wie Tellereisen
Verpasst
als sie sich vorbeugt
glänzt zwischen T-Shirt
und Hosengürtel
ein Streifen Tattoo
ich greif zur Brille
schon steht sie aufrecht
und ach der Hemdspalt
schnappt wieder zu
Ein Enterich
stolz schwebt er über
dem Teich insgeheim steht er
auf einer Sandbank
Dresdner Barock
die Mauern sind nicht
nur schwarz sie haben auch noch
die Buckelseuche
Kimono
in all der Seide
abends die kleine Geisha
nicht mehr gefunden
Wintergarderobe
sie trägt gern dicke
wollene Strümpfe
vom Straps beinabwärts
bis zu den Zehen
die halten sie warm
nur ganz ganz oben
kann man noch manchmal
Gänsehaut sehen
Kleiner Wintervogel
die weiße Wand die
schwarzen Schatten der Zweige
ein springender Punkt
Figaro rät:
die Hochsteckfrisur
ein schönes Geheimfach für
Hintergedanken
Feuerwehrball
Männerhände auf
zarten Rücken erst oben
dann weiter unten
Vor dem Feuerwehrball
Tag für Tag übt sie
mit echtem Schampus nur ja
nicht umzufallen
Ballgarderobe
das Kleid erweist sich
wenn man ganz unten drauftritt
als oben zu kurz
Passanten im Januar
finstre Gesichter
das neue Jahr scheint ihnen
nicht zu gefallen
Im Café
eine quantitative Untersuchung
101 Frauen
45 Gespräche
1 höllischer Lärm
Undercut
Junge Frau in der Stadtbahn
sie langweilt oben
unten aber erfreut sie
mit Spitzenstrümpfen
Paar im Bistro
sie dösen wortlos
über ihrem Prosecco
goldene Hochzeit
Markthallenbistro
Neujahr
im Nachbargarten
das vergessene Bierglas
schon halb voll Regen
Zwischen den Jahren
sie tauscht alles um
nur für den Gatten fehlt ihr
der Kassenzettel
Vor dem Kleiderschrank
dutzende Strümpfe
wenn doch ach wenigstens zwei
zusammenpassten
Adventsspaziergang
die Bäume im Park
ganz ohne Kerzen und Kitsch
welch eine Wohltat
Regnerischer Advent
I
kein Stern am Himmel
nur noch die sturmverwehten
Hemden der Engel
II
die hellen Fenster
spiegeln sich in den Pfützen
doppelte Freude
Modetelegramm aus der Innenstadt
mehr und mehr Frauen
tragen wieder statt Jeans die
eigenen Beine
Die Erleuchteten
Sprudel ist ihnen
ein Graus sie schlürfen verzückt
reizloses Wasser
Vertippt
Seniorenstammtisch
sie wirken grämlich
ihnen fehlt die korrekte
Untergangsfreude
Alter Narr
sie lächelt mir zu
ich (70) stürme ins Bad
mein Haar zu strählen
Junge Frau am Nebentisch
blond und mit Brille
gluckert sie als ersöffe
in ihr ein Goldfisch
Altes Ehepaar
es geht ihnen gut
unglücklich sind sie trotzdem
aus Überzeugung
Arme Reiche
sie hat schon alles
leider hat sie es nicht in
anderen Farben
Kurzhaarfrisur
seitlich geschoren
nur ganz oben Locken ein
qualmender Schornstein
Freundliches Wetter
die lauten Nachbarn
von der Terrasse verscheucht
Herbstregenschauer
Herbstfreude
nach all der Sonne
der kühle Nieselregen
auf meinen Wangen
Der Traum von der Seefahrt
ich wäre so gern
ihr Badeentchen
dann schwebte ich sanft
auf kleinen Wellen
im knisternden Schaum
und dürfte zög sie
plötzlich den Stöpsel
an ihr zerschellen
Die Frau des Schlangenbeschwörers
wenn sie nicht da ist
tanzen in ihren Schuhen
die Seidenstrümpfe
Dîner romantique
sie kickt die Pumps weg
und speist in Söckchen er träumt
von langen Nylons
Tina
wenn man gut hinhört
hört man ihr dunkles Auge
beim Zwinkern schmatzen
frei nach Arno Schmidt: Tina / oder
über die Unsterblichkeit. 1958.
Freihändig
eingezwängt zwischen
Schwabbelbacke und Kopftuch
ihr weißes Handy
Herbst in Hanoi
der Mond gespiegelt
in tausend Suppenschälchen
mit Lauch und Nudeln
Vor dem Ventilator
sie drückt auf den Knopf
schon ist ihr Sommerkleidchen
wie weggeblasen
Kahl in Hanoi
haarig war gestern
hier rasiert man sogar schon
die Kokosnüsse
Touristen 2018
manche verreisen
um auswärts ihre Tattoos
Gassi zu führen
Tempelkatze
immer nur Weihrauch
sie träumt des Nachts von einem
Posten im Fischmarkt
Angler am Thien-Quang-See in Hanoi
statt eines Fischs ein
Portemonnaie nun streiten sie
lachend ums Geld
Caféhaus in Hanoi
Loungekellnerin
sie schwingt die Hüften
in Nylons und knappem Rock
wie soll ich essen?
Sonnenaufgang in Hanoi
im Nachbarhochhaus
leuchtet von tausend Fenstern
ein einziges rot
Frankfurter Hauptwache
er hat sie versetzt
nun isst sie trotzig lauter
Hörnchen mit Butter
Herbstanfang
ein kühler Windstoß
Gänsehaut wandert über
die Bäume im Park
Bistro mit Inder
am Stehtisch grübelt
über dem Cappuccino
ein brauner Turban
Macho in Jogginghose
er schwingt die Beine
lässig seitlich im Halbkreis
um seine Mitte
Morgenlektüre
Zeitungsgezeter
lieber hör ich das leise
Murmeln der Haiku
Feuerwerk
ein kurzes Glitzern
später die ganze Nacht lang
der goldene Mond
Eigenwillige Sonnenblume
statt hoch zur Sonne
schaut sie zur Spitzenwäsche
im Nachbargarten
Abendhimmel
über dem Stadtpark
zerfetzte Wolken Bäume
mit Sturmfrisuren
Kaffeeklatsch
zwei alte Damen
bekämpfen einander mit
Goldschmuck und Enkeln
da geht ein Bettler
Himmel und Erde trägt er
als Sommerkleider
Kikaku (1661-1707)
There a beggar goes!
Heaven and Earth he’s wearing
for his summer clothes!
(aus: Anthology of Japanese Literature. From the Earliest Era to the Mid-nineteenth Century. Compiled and edited by Donald Keene. Tokyo: Tuttle 1956. 385. Übersetzung: Harold G. Henderson.)
Frühstück auf der Terrasse
was wir auch sagen
jeden kleinen Gedanken
durchkreuzen Wespen
Im Supermarkt
ein Originalton
… ohne Light haben
wir Joghurt nicht wir haben
nur Joghurt mit Light …
Gesellig
kaum tanzen Wespen
vor ihrer Nase schon springt
sie auf und tanzt mit
Ein beleibter Herr
knisternde Spannung
Hemdbrustknopflöcher würgen
röchelnde Knöpfe
Dürre
die Bäume rascheln
wie Cornflakes die Brise knirscht
zwischen den Zähnen
Augustnachmittag
bei ihr weiß ich nie
ist sie die Wespe oder
der Pflaumenkuchen
Dame mit Dobermann
an straffer Leine
stürzt sie mit ihm ins Gebüsch
zu seinen Mäusen
Modetelegramm aus der Sommerhitze
die Säume wandern
langsam vom Südpolarkreis
an den Äquator
Hundstage
besser als Eiskrem
kühlt es mich ab ihr Foto
nicht anzusehen
Rosa Etuikleid
im Schrank nur ein Schlauch
mit ihr drin dagegen die
Hülse der Venus
Unerhört
ich klopfe zärtlich
streichle sogar ihre Tür
und sie ist nicht da
Tourismuswerbung für Beijing
null Ferner Osten
kaufen saufen und knipsen
ganz wie zu Hause
Kunstgriff
sie zerrt die Hotpants
in sich hinein um lange
Beine zu kriegen
Hochzeitsfoto, Beijing
I
in rosa Tüllkram
verkleidet die künftige
Herrin des Hauses?
II
huckepack trägt er
die Braut ist er ihr Retter
oder ihr Esel?

Cafe Confucius, Beijing
Lama-Tempel, Beijing
den kleinen Buddha
seh ich komplett vom großen
gerade die Zehen

Der hölzerne Buddha in der Haupthalle des Tempels ist achtzehn Meter hoch; sein oberer Teil ist in der engen Halle nur schwer und nur mit in den Nacken gebeugtem Kopf zu betrachten.
Hochsommer in Beijing
statt warmer Hosen
tragen die Frauen ihren
Zitronenpudding
Beijing, Yanyue Hutong
im Mauergeviert
unter Bananenblättern
blinzelt die Katze

Gepäckkontrolle beim Abflug in Tokio
im Herzen wiegen
hundert goldene Buddhas
noch nicht mal ein Gramm
Schlaflos im Flughafenhotel
im Nebenzimmer
startet und landet ein Paar
schon seit zwei Stunden
39° in Kioto
nur ja keine Frau
lieber eine gewiefte
Ventilatorin
Ruhestörung
Shigain Monzeki Tempel, Sakamoto
wie wäre es still
im Klostergarten rülpste
da nicht ein Karpfen
Zugfahrt nach Hamaotsu
Pilgerin im Hase-dera in Sakurai
zwölfmal umkreist sie
die Tempelhalle Buddha
verdreht sich den Hals
Uniformierte Schülerinnen in Yamato-Yagi
Nachmittagssonne
zwischen Socken und Rocksaum
goldene Waden
Japanischer Farbholzschnitt
oben Kimonos
unten kämpfende Schenkel
und Kiefernborsten

„Shunga (jap. 春画, Frühlingsbilder) ist der japanische Begriff für Gemälde, Drucke und Bilder jeder Art, die in expliziter Weise sexuelle Handlungen darstellen. Obwohl Shunga auch als Gemälde, Zeichnungen, Kupferstiche oder Fotos existieren, werden darunter üblicherweise entsprechende japanische Farbholzschnitte oder Bücher der Edo- und Meiji-Zeit (17. Jahrhundert bis 1912) verstanden.“ (Wikipedia)
Touristin in Kioto
sie hat fast nichts an
und trotzdem platzt sie krachend
aus allen Nähten
Sommerhitze im Eikando
sogar der Goldfisch
nimmt sich ein Seerosenblatt
als Sonnenschirmchen
Shinto-Schrein auf dem Mount Atago
der Tempelgeist schläft
manchmal zittern die Farne
wenn er sich umdreht














Du muss angemeldet sein, um einen Kommentar zu veröffentlichen.